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Tourismus im Schwarzachtal Teil 2: Der Wanderweg

Die Gsteinacher Wirtschaft

Sowohl August Graf von Platen1) als auch Landrichter Georg Schumacher2) berichten von Wanderungen ins Schwarzachtal im frühen 19. Jahrhundert. Die von beiden besuchten Orte gehen allerdings nicht über die nächste Umgebung des Hammerwerkes hinaus. Konrad Koch3) berichtet uns 1911 von Schwarzachhochwässern, die “Ganze Stücke der Uferböschung entrissen, Wege demoliert und Stege verschwemmt” haben. Genauere Nachrichten über den Unterhalt der Wege im Schwarzachtal erhalten wir 1928 in einer Beschreibung des Wegebaus im Schwarzachtal4). Wir erfahren hier, dass die Besitzer der Gsteinacher Wirtschaft in früheren Zeiten für die Gangbarkeit des Weges an der Schwarzach sorgten. Der Wanderweg folgt in dieser Zeit unmittelbar dem Lauf der Schwarzach. Erst durch die 1923/24 erfolgte Errichtung des Flusskraftwerks wird der Wanderweg zwischen diesem und dem Felsenhaus nach oben verlagert.

Der Verschönerungsverein Schwarzachtal

Abb.1: Karlshöhle um 1927. Quelle: GASbk

Am 14.04.1926 wird in der Gsteinacher Gastwirtschaft der “Verschönerungsverein Schwarzachtal” ins Leben gerufen. Ziel des neuen Vereins ist es, den Zustand der Wege zwischen Gsteinach und dem Brückkanal zu verbessern. Getragen wird der Verein hauptsächlich durch ortsnahe Geschäftsleute. In Zusammenarbeit mit dem fränkischen Albverein versieht der Verschönerungsverein Schwarzachtal die Wege mit Markierungen und lässt in den Zeitungen der Umgebung für das Schwarzachtal werben.

1926 und 1927 wurde der Weg durch mehrere Hochwässer fast völlig vernichtet. Steg und Brücke an der Karlshöhle waren zerfallen und der Weg am 1923 erbauten Stauwehr durch Erdrutsch unbegehbar. Im Herbst 1927 hat Bürgermeister Luber die Zustände am Wanderweg im Schwarzachtal der Gemeinde vorgetragen und trat dafür ein, daß hier etwas getan werden muss. Ein von Maurermeister Volkert erstellter Kostenvoranschlag von 3 bis 4000 Mark erwies sich als zu hoch um für die Gemeinde bezahlbar zu sein. Es wurde nun um Mittel bei Brauereien, Geschäftsleuten und Freunden geworben. Das Brauhaus Nürnberg genehmigte dazu nach wiederholter Vorstellung der Wirte Hart und Zimmerer 500 Mark. Am 18.01.1928 wurde eine Baukommision gebildet und am 25. Januar die Arbeit aufgenommen. Beschäftigt wurden die Arbeitslosen der Gemeinde. Zunächst wurden der Uferschutz an der Karlshöhle in Angriff genommen sowie der Aufstieg unterhalb des Flusskraftwerks neu angelegt. Um mit den Arbeiten fortfahren zu können waren weitere Spenden erforderlich. Spendenaufrufe wurden dazu in allen großen Nürnberger Tageszeitungen geschaltet. Im Nürnberger Landboten wurde dieser Spendenaufruf am 14.02.1928 abgedruckt6). Es folgten darauf doch beachtliche Spenden von Firmen und auch Einzelpersonen aus der weiteren Umgebung, darunter Brauereien aus Nürnberg, Fürth und Neumarkt sowie der Stadt Nürnberg die nach einigen Gesuchen 1000 Mark dazugab. Am 07.04.1928 berichten Nürnberger Zeitung, Der Fränkische Kurier, sowie der Nürnberger Landbote7) über den wieder hergestellten Weg. Abb.1 zeigt die Karlshöhle Mitte der 1920er Jahre von West nach Ost. Das Niveau des Höhlenbodens ist niedriger als heute, was an der längeren Treppe gut sichtbar ist. Der 1. Karlshöhlensteg ist komplett aus Holz und anstelle des 2. Karlshöhlensteges befindet sich eine starke Uferbefestigung.

Wiederherstellung Touristenweg 1950

Nachdem am Ende des 2. Weltkrieges die Autobahnbrücke der A9 von deutschen
Einheiten gesprengt wurde, ist die Schwarzach bis auf Höhe der Karlshöhle aufgestaut

Abb.2: 2.Karlshöhlensteg Foto: Landschaftsplanungsbüro Grebe 1967, GASbk11)

und der Wanderweg im Tal bedarf erneut größerer Instandsetzungsarbeiten. Die Gemeinde Schwarzenbruck mit Bürgermeister Hans Schmidtner sorgte für die Finanzierung der Arbeiten. Um Kostenbeteiligung nachgefragt wird bei den interessierten Wirten, dem Fränkischen Albverein, der Gemeinde Feucht, der Stadt Nürnberg sowie dem bayerischen Staat, der für die Beseitigung der Schäden, die durch die Sprengung der Autobahnbrücke entstanden waren um einen Zuschuß ersucht wird. Am 22.08.1950 treffen sich dazu verschiedene Parteien im Schwarzachtal. Nachdem ein Kostenvoranschlag von ca. 13.000 DM allgemein akzeptiert wird, kann am 04.09.1950 mit den Arbeiten begonnen werden. Die Arbeiten werden durch Julius Fleischmann und dem Bayerischen Jugendsolzialwerk ausgeführt.

Wie bereits erwähnt verlief der Wanderweg vor dem Bau des Flusskraftwerkes 1923 durchgehend im Talgrund der Schwarzach. Im Zuge der Instandsetzung des Wanderweges 1950 waren Überlegungen angestellt wurden, den Wanderweg wieder direkt an der Schwarzach entlang zu führen. Dies wird aufgrund zu hoher Kosten verworfen.

Direkt östlich des Flusskraftwerks befindet sich ein unvollendeter Treppenabgang, der vor einem Meißel im Felsen endet. Die Treppenstufen sind geschliffene Steine aus kristallinem Gestein und wurden von der Firma Lauterbach zur Verfügung gestellt. Aus den Sitzungsprotokollen8) wird nicht klar, ob diese Arbeiten mit den Instandsetzungsarbeiten von 1950 in Zusammenhang stehen. Der 2. Karlshöhlensteg (Abb.2) hat spätestens 19519) existiert. Bis Ende der 1960er Jahre war der 2. Karlshöhlensteg eine auf Stahlträgern aufgesetzte Holzkonstruktion.

Der Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V

Im Jahr 1968 wendet sich einer der Autoren (Frister) als 1. Bürgermeister der  Gemeinde Schwarzenbruck an den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und seinen Kollegen im Landkreis mit der Bitte zu helfen, das Schwarzachtal zu erhalten und zu gestalten

Abb. 3: Steg aus 2 Baumstämmen westlich der Karlshöhle, Foto G. Gerardi 1972, GASbk11)

Daraus entsteht schließlich nach Münchner Vorbild der Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V. Es ist ein Zusammenschluss von Städten, Gemeinden und Landkreisen des westlichen Mittelfranken zur Schaffung von Naherholungseinrichtungen im Lorenzer Reichswald und seiner Umgebung10). Eine der ersten Projekte zu denen dieser Verein Zuschüsse zur Verfügung stellt, ist eine größere Sanierungsmaßnahme der Wege und Stege in der Schwarzachklamm. In der Karlshöhle werden dabei die bisherigen Holzgeländer durch Stahlgeländer ersetzt. 1969 findet dann eine Besichtigung der erneuerten Anlagen statt, bei der auch der damalige Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Andreas Urschlechter, dem Tal seine Aufwartung macht.

2 Stege um die Karlshöhle

Etwa 3 Jahre nach diesen Maßnahmen entsteht aus 2 Baumstämmen der in Abb. 3 dargestellte Steg. Die Baumstämme werden ohne Widerlager direkt über die Schwarzach gelegt und sind damit entsprechend verwitterungsanfällig. Ende der 1970er Jahre dürften die letzten Reste dieses Steges vermodert gewesen sein. Ein Vermächtnis dieses Steges ist ein Schild am oberen Ende des südlichen Zugangs: “Schwarzachstege gesperrt Lebensgefahr”.

Einige Zeit später, 1985 errichtet die Gemeinde Schwarzenbruck südlich des Ludwigskanales neue Brunnen für die Trinkwasserversorgung. Die dazu gehörige Wasserleitung quert östlich der Karlshöhle die Schwarzach und die Gemeinde nutzt die Gelegenheit an dieser Stelle auch einen Schwarzachübergang für Touristen zu errichten. Nun sind 1980ger Jahre als Zeit bekannt, in der die Sensibilität der Bevölkerung in Sachen Umwelt- und Naturschutz deutlich zugenommen hat. Dies ist auch bei Errichtung des Wasserleitungsstegs (Abb. 4) spürbar wo sich die Gemeinde veranlasst sieht aufgrund von Bedenken und Befürchtungen des “Bund Naturschutz” eine Pressekonferenz zu diesem Brückenschlag einzuberufen.

Generalsanierung von Brücken und Stegen 2002

In diesem Jahr wird eine Generalsanierung der Brücken und Stege im Schwarzachtal vorgenommen. Darunter fallen im Umfeld des Schwarzachtales der Steg am Gasthaus zum Schwarzachtal (Hammerwerksteg), der Steg am Weg zur Westab (Wasserleitungssteg), der 1. Steg an der Karlshöhle, der 2. Steg an der Karlshöhle sowie der Steg am Nerrether Weg zwischen Brückkanal und Schleuse 58 am Ludwigskanal . Mit noch einigen anderen Stegen flussaufwärts der Klamm werden die Gesamtkosten mit 306.317,33 DM veranschlagt. Durch Verwendung widerstandsfähigerer Geländer erhöht sich der Gesamtbetrag am Ende auf 402.953, 59 DM. Bezuschusst werden die Maßnahmen durch den Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V. Nach dieser Maßnahme präsentierten sich die Kunstbauten im Schwarzachtal so, wie sie heute noch zu sehen sind.

Bernd Mayer, Albrecht Frister

Abkürzungen:

DB: Der Bote/Nürnberger Landbote
GASbk: Gemeindearchiv Schwarzenbruck

  • Anmerkungen:
  • 1) August Graf von Platen †: Der Dichter August Graf von Platen in Altdorf, in Reichswaldblätter des Nürnberger Landboten Nr. 6 1937.
  • 2) Schumacher, G.(Landrichter): Einige ältere Nachrichten aus dem Gemeindebezirk Schwarzenbruck in Dreizehnter Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken, BeilageVII, 1843 .
  • 3) Koch,K.: Eine Wanderung durchs Schwarzachtal (Fortsetzung), in Das Bayernland, S. 112-114, 22.Jg. 1911.
  • 4) GASbk: 63/13/a-k 1915 – 1928  Schwarzachtal – Wanderweg, 1928 Wegbau ins Schwarzachtal zwischen Brückkanal und Gsteinach.
  • 5) DB: Feucht: Neue Wegmarkierung im Schwarzachtal, 15.07.1926.
  • 6) DB: Das untere Schwarzachtal in Gefahr, 14.02.1928.
  • 7) DB: Das Schwarzachtal, 07.04.1928.
  • 8) GASbk: Sitzungsprotokolle des Gemeinderats, 1950.
  • 9) Gemeinde Schwarzenbruck (Hrsg.): Das Schwarzachtal, Ausgabe 1951.
  • 10) 5.Juni 1968: Ein Hilferuf fürs Schwarzachtal in  www.nordbayern.de/region/nuernberg/5-juni-1968-ein-hilferuf-furs-schwarzachtal-1.7650753
  • 11) GASbk: VIII-B. Mappe 20 Schwarzach.