Faber-Castell in Schwarzenbruck

Faber-Castell in Schwarzenbruck

1761 fasste Kaspar Faber den Entschluss, sich als Bleistiftmacher selbständig zu machen und begründete damit die bekannte Bleistiftdynastie in Stein. [1] In der Folge wurde die, nun A.W. Faber genannte Firma, erfolgreich fortgeführt und von einem Handwerksbetrieb zu einer Manufaktur ausgebaut.
In vierter Generation gelang es Freiherrn Lothar von Faber, aus der noch relativ kleinen Firma, von 1839 bis 1896 ein Weltunternehmen zu formen und verschaffte damit der Familie hohes Ansehen und enormen Reichtum. Aufgrund seiner unternehmerischen und sozialen Verdienste erhob ihn die Bayerische Krone 1862 in den persönlichen Adelsstand und 1881 in den erblichen Freiherrnstand.
Bereits in den Jahren 1872 bis 1884 hatte Lothar von Faber über 2000 ha Land erworben rund um den Weiler Dürrenhembach. Aus dem 1874 gekauften Bauernhof der Eheleute Schrödel entstand dort ein komfortables Jagdhaus und der idyllisch gelegene Landsitz der Familie Faber.
In den Folgejahren wurde der riesige Landbesitz stetig erweitert und “arrondiert“. Die letzten übrigen Bauernhöfe in Nerret und Dürrenhembach wurden 1887 und 1891 gekauft.
In Schwarzenbruck erwarb die Familie Faber von 1879 bis 1904 praktisch alle südlich der Schwarzach gelegenen Ländereien: 93 ha Land vom Neubauer, drei komplette Bauerhöfe, ein Gütlein, und die Mühle, insgesamt 261 ha für 322.700 Mark (heutige Kaufkraft etwa 2,2 Millionen Euro).
Die Felder wurden aufgeforstet, sodass sich von der Schwarzach bis nahe Allersberg ein geschlossenes Waldgebiet ergab, der “Faberwald“, wie die Einheimischen hier sagen.
Das Holz wurde aber nicht für die Bleistiftfertigung gebraucht, wie viele glaubten. Für die hochwertigen Faber-Stifte kam nur astfreies Zedernholz in Frage. Lediglich in der Zeit der wirtschaftlichen Depression in den 20iger Jahren bis nach dem Weltkrieg mussten einheimische Erlen und Föhren verwendet werden.
Warum haben so viele Bauern verkauft?
Voraussetzung war die 1860 in Bayern endgültig vollzogene Abschaffung der Lehensabhängigkeit von den Grundherren. Die Umwandlung in freies Eigentum war allerdings mit erheblichen Zinsbelastungen verbunden, die bei den kargen Böden schwierig zu erwirtschaften waren. Die neue Gewerbefreiheit und die zunehmende Industrialisierung boten zudem neue Erwerbsmöglichkeiten.
Manch neuer Besitzer nutzte den Geldregen wohl auch für ein ruhiges Leben als Privatier.
Nach der Erhebung in den Freiherrnstand plante Lothar von Faber, als standesgemäßen Wohnsitz für seine Familie, ein Sommerschloss inmitten seiner Besitzungen.
Die Chronik des Lothar von Faber berichtet: [2]
“Als Standort wählten Lothar von Faber und seine Gemahlin Ottilie einen Baugrund nahe dem kleinen Ort Schwarzenbruck. …. Einstimmig wurde der noch mit hochstämmigen Fichten bewachsene Felsvorsprung gewählt, an dessen Abhängen das Wasser Schwarzach sich wie ein Silberband durch saftig grüne Wiesen schlängelt.“
Im Februar 1883 erfolgte die Grundsteinlegung. Im Sommer 1886 war dann das Bauwerk fertiggestellt
Die Fassaden des Schlosses sind im Stil der Neorenaissance gestaltet. Die rötlich gefärbten Quadersteine der Fassaden stammen aus einem Steinbruch bei Röthenbach und von einem eigenen Haus nahe Schwarzenbruck. Die gelblich weißen Steine für die architektonischen Verzierungen wurden aus Kulmbach per Bahn herbeigeschafft.

Bild 1: Faberschloss um 1900 [5]

Bild 2: Eingangshalle  [Foto: R. Kretschmann, 2018]

Die Inneneinrichtung ist erlesen: Holzvertäfelung mit Intarsien aus Berlin, feinstes Mahagoni und Palisander aus Paris, “Ameublement Styl Ludwig XV“. [3] Elektrisches Licht in allen Räumen.
Im Juni 1887 konnte das Schloss für einen mehrwöchigen Aufenthalt bezogen werden.
Es wurde in den folgenden Jahren während der Sommermonate zum beliebten Treffpunkt der Familie.
Die Chronik des Lothar von Faber berichtet: [2]
„Nach allen Seiten hin bietet der ausgedehnte Wald und das Schwarzachflüsschen, mit seinen romantischen Tälern, Anlass zu erquickenden Ausflügen. Auf einem schönen Aussichtspunkt zwischen dem Schlosse und dem Dorfe Schwarzenbruck wurde ein größerer Pavillon erbaut. Die Fahrwege wurden in alle Richtungen reguliert und verbessert. Genussreiche und angenehme Spazierfahrten wurden ermöglicht, zu welchen von der Familie und ihren Gästen gerne die Nachmittage benutzt werden.
Einer der schönsten war wohl der nach dem Weiler Nerret, am Hammerwerk Gsteinach vorbei, bei welchem die Schwarzach, von Felsen eingeklemmt, sich rauschend den Weg sucht. Der linksseitige Bergabhang, zum Schlossbesitz gehörend, wurde mit Spazierwegen, Geländern, Treppen und Sitzplätzen versehen, um die hier befindlichen Grotten und Felsvorsprünge bequem besuchen zu können. Schon jetzt hat sich dieser Fleck in der Bevölkerung und bei den Touristen den Namen >>Faber-Anlagen<< erworben.“

1891 wurde auch eine eigene Brücke über die Schwarzach für das Schloss erstellt. Sie sollte (über die heutige Graf-Roland-Straße) eine kürzere Fahrzeit zum Bahnhof ermöglichen. Heute ist es nur noch ein Übergang für Fußgänger.

1896 starb Lothar von Faber. Das Schloss Schwarzenbruck verlor danach an Bedeutung als Sommerfrische.

Die Enkelin Ottilie war von Lothar von Faber als Universalerbin des Familienvermögens vorbestimmt. Die Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau, die sich von den gesellschaftlichen Zwängen befreit, um ihr eigenes Leben zu führen, wurde bekannt durch den Buch-Bestseller von Asta Scheib. [4] Zurzeit wird der biographische Roman verfilmt.

1897 besuchten die jungen Verlobten Ottilie Freiin von Faber und Graf zu Castell Rüdenhausen das Schloss. Danach stand es leer.
Erst sechs Jahre später wurde das Schloss wieder mit Leben erfüllt. Zwischen 1903 und 1906 wurde es von Gräfin Ottilie und ihrem Mann ganzjährig bewohnt, da man den Bauarbeiten am “Neuen Schloss“ in Stein entgehen wollte.
Hier gebar die Gräfin 1904 die Tochter Irmgard und 1905 den Stammhalter Roland.

Graf Alexander von Faber-Castell führte die Firma erfolgreich weiter. Das Zentrum der Familie war nun aber das “Neue Schloss“ in Stein. Die Ehe wurde 1916 geschieden und Gräfin Ottilie schied aus der Fima aus.
1927 stirbt Graf Alexander von Faber-Castell. Sein Sohn Roland übernimmt 1928 die Führung des Unternehmens. Nach der schwierigen NS- und Kriegszeit baut er die Firma wieder zu einem globalen Unternehmen aus.
Er war zeitlebens Schwarzenbruck verbunden und erwies sich als engagierter Förderer und Gönner der Gemeinde. Er schenkte ihr unter anderem  die Schwarzach-Insel, wo heute die Kirchweih stattfindet.
Das Schloss wurde in der NS-Zeit für eine Parteischule requiriert. Nach dem Krieg beanspruchten es die Amerikaner für einen Armeeklub und danach beherbergte es Flüchtlinge und Heimatvertriebene.
Für eine symbolische Miete von einer Mark pro Jahr durfte es schließlich die AWO als Altenheim nutzen. (Der moderne Anbau wurde 1972 erstellt.)

Die 1887 von Lothar von Faber erworbene Mahlmühle in Schwarzenbruck wurde damals restauriert und als Bronzemühle verpachtet. Sie war bis 1911 in Betrieb. 1912 wurde die Mühle umgebaut zu einem Sägewerk. Ab 1920 wurden auf dem Gelände bis in die 50er Jahre auch Brettchen aus heimischem Holz gesägt für die Bleistiftfertigung in Stein. Dabei wurden zeitweise bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt. 1922 brannte das Sägewerk ab, wurde aber bereits 1925 durch ein moderneres Werk ersetzt.

Bild 3: Sägewerk In Schwarzenbruck um 1930 [5]

Das Sägen der Brettchen wurde Anfang der 50er Jahre an andere Standorte verlegt als wieder hochwertigere Hölzer für Bleistifte verfügbar wurden. Das Sägewerk selbst blieb unter verschiedenen Pächtern noch bis 1969 in Betrieb. Nach einem weiteren Brand 1972 wurden die Gebäude jedoch komplett abgetragen.
Mit Ausnahme des Flusskraftwerkes und eines kleinen Brunnens finden sich auf dem großen Areal im Unterdorf von Schwarzenbruck keine Hinweise mehr auf die historische Mühle, die Höfe der Stoffel- und Ula-Bauern oder das Sägewerk. Übrig geblieben ist eine leere Fläche. Nur zur Kirchweihzeit stehen dort Buden und eine Schiffschaukel.   Am Rand wurden in den letzten Jahren Häuser gebaut.
Auf der anderen Seite der Dürrenhembacher Straße kann man noch die alten Häuser des Neubauern und Fritzenbauern sehen.   

Graf Roland stirbt 1978. Damit endet auch die persönliche Bindung der Familie Faber-Castell an Schwarzenbruck.

Der Sohn Graf Anton Faber  übernimmt danach die Leitung der Firmengruppe. Er erschien nur noch selten zu besonderen Anlässen in der Gemeinde. Er stirbt 2016.
Mit Daniel Rogger führt nun zum ersten Mal ein familienfremder Vorstandsvorsitzender die Firmengruppe. Ob er wohl Schwarzenbruck kennt?

Quellen:
[1] Faber-Castell, Die illustrierte Geschichte einer Bleistiftdynastie, Collection Rolf Heyne, 2013
[2] Haus-Chronik des Freiherrn Lothar von Faber, 1887
[3] Degenhardt: Fundort Faberschloss: Nazis und kopflose Ritter
     http://www.nordbayern.de/region/feucht/fundort-faberschloss-nazis-und-kopflose-ritter
[4] Asta Scheib: Eine Zierde in ihrem Hause, Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell, Rowohlt
     Taschenbuchverlag, 23. Auflage, 2017
[5] Bilder aus dem Gemeindearchiv und von Dr. R. Kretschmann

Frister und G. Ziegler