Die Kampfhandlungen zwischen der Fröschau und  Altenthann im Jahr 1632

Die Kampfhandlungen zwischen der Fröschau und Altenthann im Jahr 1632

Die Kampfhandlungen zwischen der Fröschau und Altenthann im Jahr 1632

 

In den stürmischen und mörderischen Tagen des 30jährigen Krieges hausen Soldatenhorden übel im Pflegamtsbezirk Altdorf. So wird beispielsweise aus dem Jahr 1627 gemeldet, dass ,vier Reiter und etliche Fußgänger’ in das Altenthanner Gotteshaus einbrechen und alle Gegenstände rauben, welche die verarmte Bevölkerung dorthin in erhoffter Sicherheit ge-bracht hat. Über solche Ärgernisse kann man getrost hinwegsehen angesichts der Schrecken von Waffenlärm und einer epidemischen Krankheit dieser Zeit, die unsere Gegend besonders in den Jahren 1632 – 1634 heimsuchen: Krieg! Krieg und Tod! Doch es kommt noch schlimmer!

König Gustav, der schwedische Löwe, befindet sich an der Spitze des 21 000 Soldaten zählenden evangelischen Heeres in der Stadt Nürnberg. Sein Gegner, der katholische Feldherr Wallenstein, verschanzt sich mit 44 000 Mann der katholischen Liga an der Alten Veste bei Zirndorf. Es sind viele Söldner in beiden Lagern, bald zu viele, um sie ausreichend versorgen zu können. Von den ausgesaugten und ausgeplünderten Höfen der Umgebung ist nicht mehr viel zu holen. Die tägliche Versorgungsration für einen Soldaten setzt sich zusammen aus 1 kg Brot, 500 g Fleisch und 1 Maß Bier oder Wein. Das sind für diese Menschenmassen täglich etwa 60 bespannte Fuhrwerke. Die Gegner versuchen deshalb, den andern auszuhungern oder ihm die Proviantzüge abzufangen, die Vorratsmagazine zu plündern oder zu zerstören.

Nebenschauplatz dieser kriegerischen Auseinandersetzung wird die ,Paßlohe’ im Schwar-zachtal, das bewaldete Gebiet zwischen der Fröschau, dem Thanngraben und dem Dorf Altenthann.

In alten Karten und Veröffentlichungen finden wir die Altenthanner Flurbezeichnung ,Boslohe’ auch als ,Buslohe’, ,Bußlohe’ und ,Paßlohe’ notiert. Es ist das große Waldgebiet westlich der Ortschaft zwischen dem Thanngraben und dem ehemaligen Verbindungsweg hinab zur Fröschau. Das Wort ,Buß’ leitet ich vom Mittelhochdeutschen ,buzen’ ab und meint eine Geländeanhöhe. Auf das genannte Gelände trifft dies sicher zu. Mit ,lohe’, auch ,luhe’ oder ,lôh’ (= gesprochen: lou) ist entweder ein lichtes Gehölz oder auch ein sumpfiges Gebiet an einem Niederungsbach oder an einer Wasserstelle gemeint. Wieder stellen wir dabei eine Stimmigkeit fest: Im hochgelegenen Teil der ,Buslohe’ nahe des Dorfes finden wir den Wald und gegen Norden fällt das Gelände zum wasserführenden Thanngraben ab. Hier in diesem Gebiet geraten 1632 die Truppen des kaiserlichen Generals Sparr in den Hinterhalt, den ihnen der schwedische König Gustav Adolf mit seiner Reiterei bereitet. Die Kaiserlichen werden in der Schlacht von Altenthann geschlagen.

Der Historiker Felix Berner berichtet hierüber nur kurz: ,Bei den Kaiserlichen herrschte kaum Hunger. Maximilian sorgte dafür, dass Bayern trotz aller Heimsuchungen die Armee belieferte; allenfalls gab es Versorgungslücken, wenn es den Schweden – wie am 30. Juli in Freystadt – gelang, sich eines ganzen Proviantdepots zu bemächtigen.’

Was für den Geschichtsschreiber nur einige Zeilen wert ist, bedeutet für die betroffenen Menschen unserer Gegend eine Heimsuchung von größter Tragweite:

,Kurbayern, verbunden mit Wallenstein, legt im oberpfälzischen Landstädtchen Freystadt ein Magazin, also ein Proviantlager, an. Von hier aus gehen in unregelmäßigen Zeitabständen Versorgungszüge zur Alten Veste ab. Für Gustav Adolf ist Altdorf als vorgeschobener militä-rischer Vorposten von Bedeutung. Der König schickt Dragoneroberst Taupadel mit 3 Regi-mentern nach Freystadt, um das Magazin anzugreifen und auszuplündern. In den frühen Morgenstunden des 30. Juli 1632 gelingt ihm dies auch. Das Untere Tor wird mit einer Petarde (= Sprengladung in einem Fass) gesprengt, das  Obere Tor gestürmt. Leutnant Kevenhiller wird dabei verwundet und stirbt. Ein historischer Bericht meldet: ,900 Stück Viech / und 300 Pferdt darvon gebracht / hernach das Rathauß / darinnen viel Getraidt gewest / Spital andere Haeuser / außgelaert / und in Brandt gesteckt.’

Der kaiserliche General Georg von Sparr lagert mit seinen 5700 Musketieren in der Nähe von Neumarkt und erhält von Taupadel den Befehl, dem Schweden ,den Pass zu verram-meln’, also den Weg abzuscheiden und die in Freystadt erlangte Beute abzujagen. Gustav Adolf muss dies geahnt haben und macht sich mit 2000 Reitern und 500 Musketieren von Nürnberg aus auf den Weg in unsere Gegend, um den Taupadelschen Rückzug zu sichern und sich mit seinem Obristen zu vereinigen. Das nürnbergische Altdorf wird derweil mit 1200 schwedischen Söldnern verstärkt. Im Schwarzachtal an der Fröschau treffen die Kaiserlichen und die Schweden aufeinander. In dem unwegsamen Gelände der bewaldeten ,Paßlohe’ und der sumpfigen, morastigen Rhätschlucht des Thanngrabens wird zum Schauplatz eines blutigen Gefechts. Eine geordnete Reiterschlacht ist hier zwischen der Fröschau und Altenthann unmöglich.

Der Geschichtsschreiber Franz von Soden berichtet über diese Auseinandersetzung: ,Lange verteidigte sich Sparr mit seinen Colleredischen Reitern und Musketieren in der Hoffnung, sich durchzuschlagen. Die Reiter wurden nebst dem Fußvolk fast sämtlich niedergehauen. Die Reiterei konnte sich in dem morastigen Boden nicht bewegen und die Musketiere glitschten aus. Sparr hatte sich lange Zeit hinter einem Busch verborgen, wurde aber von seinem Narren verraten und geriet mit dem Oberstleutnant Terzky, 4 Kapitäns, vielen Offi-zieren und 50 Soldaten in schwedische Gefangenschaft. Viele blieben im Sumpf stecken und kamen um. Die Schweden verloren den Oberst Rieß, einen tapferen Soldaten, worüber der König sehr betrübt war, auch den Hofjunker Hans von Boy und den Kammerpage Kreu-zenstein. An der Seite des Königs focht ein Kammerpage Leubelfing, ein Sohn des Obersten. Zwei dem Feind abgenommene Korneten wurden dem König überbracht. Die Reiter, welche sie erbeuteten, erhielten Denkmünzen von verschiedener Größe mit dem Bildnis des Königs. Mit solchen Trophäen geschmückt und im süßen Gefühl der gesicherten Beute von Freystadt kehrte der König nach Nürnberg zurück.’

Gustav Adolf erfährt, dass auch andere Regimenter der Kaiserlichen über Ferrieden nach Burgthann ziehen, um von dort das Universitätsstädtchen Altdorf zu brandschatzen und verjagt die Gegner bei Burgthann.

Bleibt noch zu vermelden, dass König Gustav Adolf nach seinem Sieg im Schwarzenbrucker Schloss übernachtet. Dort macht man den Monarchen auf das wildromantische Felsental der Schwarzach aufmerksam. ,Hier entstand, als die Musik den Abendsegen blies, beim König der Gedanke, am folgenden Sonntag morgens, ehe noch des Tages Sorgen die Seele trüben, in der Grotte einen Gottesdienst halten zu lassen und eine Predigt zu hören, um Gott für die errungenen Vorteile zu danken. Am Morgen sammelten sich die Kriegsvölker auf der Schwarzenbruck-Gsteinacher Flur zur feierlichen Kirchenparade, und die Felsenhalle füllte sich mit Generälen und Offizieren, die den König erwarteten. Als er erschien, bestieg der Prediger Cornelius Marci aus Nürnberg die Felsenkanzel und hielt nach Beendigung des von Pauken und Trompeten begleiteten Gesangs die Feldpredigt und das Dankgebet. Nach dem Segensspruch erklangen wieder die Trompeten und Hörner, die Kanonen donnerten von der Höhe herab, dass ringsum die Wälder erzitterten. Die Kriegsobersten flogen zu ihren Regimentern, deren sieggewohnte Fahnen im Winde flatterten, und an der Spitze seiner Krieger zog Gustav Adolf wieder dem befestigten Nürnberg zu.’

Heute macht eine Gedenktafel an der Felsendecke der ,Gustav-Adolf-Höhle’ in der Schwar-zachklamm mit der Aufschrift ,Hic fuit MDCXXXII’ (= Hier ist er 1632 gewesen) auf dieses bedeutende Ereignis mit dem siegreichen schwedischen König aufmerksam.

Der Weiler Affalterbach mit seiner Wallfahrtskapelle ,Zur lieben Frau’ auf der anderen Schwarzachseite, der Fröschau gegenüber gelegen, leidet sehr bei diesem Gefecht. Zeuge dieses blutigen Treffens vom 31. Juli 1632 ist der 11jährige Stephan Rupprecht von der Fröschau. Von ihm berichtet Pfarrer Ottmar Kreppel in seinem Heimatbuch: ,Augenzeuge dieses Treffens war der Bauer Stefan Ruppert von der Fröschau. Er starb im Jahre 1700, 79jährig. Die Boten hatten ihn als 11jährigen Knaben gebunden, als Boten bis auf den Herrenberg (= Hegnenberg) bei Altdorf mitgenommen, dort aber wieder entlassen. Im Jahre 1720 lebten noch seine beiden Söhne, Johann und Leonhard, als 60jährige Männer. Der Vater hatte ihnen öfters von der Schlacht in Paßlohe erzählt, wobei er sich noch lebhaft des Anblicks von Knochen und Hirnschalen der dort erschlagenen Kroaten erinnerte.’

Abb. König Gustav Adolf nach der Schlacht im Schwarzachtal 1632

Einige Details des Gemäldes versetzen uns in die Szenerie dieser dramatischen Zeit. Der schwedische König Gustav Adolf hoch zu Ross auf seinem Schimmel nimmt die Meldung eines Obristen entgegen, der auf die gefangenen Kaiserlichen weist, die demütig mit gesenkten Blicken vor dem Feldherrn stehen und die zwei Standarten mit dem Adler tragen. Die Fahne der siegreichen Schweden flattert im Wind. Auch der Nachschub an Lebens-mitteln – in Freystadt organisiert – ist geglückt: Auf Pferden werden Getreidesäcke herange-schafft, eine Rinder- und Ziegenherde weidet im Schwarzachgrund. Im Hintergrund thront auf dem Göckelsberg die Burg zu Thann.

Quellen:

  • 1) Hans Kauper: Die Schlacht bei Fröschau-Altenthann, Altdorf bei Nürnberg 1933
  • 2) Ottmar Kreppel: Heimatbuch – Vor dem Frauentor, S. 39
  • 3) Helmut Wilimsky, Das Kirchdorf Altenthann – Von Grundherrn, Pfarrherrn, Schulmeis-tern und Dorfleuten, 1998, S. 65ff
  • 4) Katasterplan von – 1831, Ausschnitt
  • 5) König Gustav Adolf nach der Schlacht im Schwarzachtal 1632, nach einem Gemälde von Christian Perlberg

Helmut Wilimsky