Die Kampfhandlungen zwischen der Fröschau und Altenthann im Jahr 1632

Die Kampfhandlungen zwischen der Fröschau und Altenthann im Jahr 1632

 

In den stürmischen und mörderischen Tagen des 30jährigen Krieges hausen Soldatenhorden übel im Pflegamtsbezirk Altdorf. So wird beispielsweise aus dem Jahr 1627 gemeldet, dass ,vier Reiter und etliche Fußgänger’ in das Altenthanner Gotteshaus einbrechen und alle Gegenstände rauben, welche die verarmte Bevölkerung dorthin in erhoffter Sicherheit ge-bracht hat. Über solche Ärgernisse kann man getrost hinwegsehen angesichts der Schrecken von Waffenlärm und einer epidemischen Krankheit dieser Zeit, die unsere Gegend besonders in den Jahren 1632 – 1634 heimsuchen: Krieg! Krieg und Tod! Doch es kommt noch schlimmer!

König Gustav, der schwedische Löwe, befindet sich an der Spitze des 21 000 Soldaten zählenden evangelischen Heeres in der Stadt Nürnberg. Sein Gegner, der katholische Feldherr Wallenstein, verschanzt sich mit 44 000 Mann der katholischen Liga an der Alten Veste bei Zirndorf. Es sind viele Söldner in beiden Lagern, bald zu viele, um sie ausreichend versorgen zu können. Von den ausgesaugten und ausgeplünderten Höfen der Umgebung ist nicht mehr viel zu holen. Die tägliche Versorgungsration für einen Soldaten setzt sich zusammen aus 1 kg Brot, 500 g Fleisch und 1 Maß Bier oder Wein. Das sind für diese Menschenmassen täglich etwa 60 bespannte Fuhrwerke. Die Gegner versuchen deshalb, den andern auszuhungern oder ihm die Proviantzüge abzufangen, die Vorratsmagazine zu plündern oder zu zerstören.

Nebenschauplatz dieser kriegerischen Auseinandersetzung wird die ,Paßlohe’ im Schwar-zachtal, das bewaldete Gebiet zwischen der Fröschau, dem Thanngraben und dem Dorf Altenthann.

In alten Karten und Veröffentlichungen finden wir die Altenthanner Flurbezeichnung ,Boslohe’ auch als ,Buslohe’, ,Bußlohe’ und ,Paßlohe’ notiert. Es ist das große Waldgebiet westlich der Ortschaft zwischen dem Thanngraben und dem ehemaligen Verbindungsweg hinab zur Fröschau. Das Wort ,Buß’ leitet ich vom Mittelhochdeutschen ,buzen’ ab und meint eine Geländeanhöhe. Auf das genannte Gelände trifft dies sicher zu. Mit ,lohe’, auch ,luhe’ oder ,lôh’ (= gesprochen: lou) ist entweder ein lichtes Gehölz oder auch ein sumpfiges Gebiet an einem Niederungsbach oder an einer Wasserstelle gemeint. Wieder stellen wir dabei eine Stimmigkeit fest: Im hochgelegenen Teil der ,Buslohe’ nahe des Dorfes finden wir den Wald und gegen Norden fällt das Gelände zum wasserführenden Thanngraben ab. Hier in diesem Gebiet geraten 1632 die Truppen des kaiserlichen Generals Sparr in den Hinterhalt, den ihnen der schwedische König Gustav Adolf mit seiner Reiterei bereitet. Die Kaiserlichen werden in der Schlacht von Altenthann geschlagen.

Der Historiker Felix Berner berichtet hierüber nur kurz: ,Bei den Kaiserlichen herrschte kaum Hunger. Maximilian sorgte dafür, dass Bayern trotz aller Heimsuchungen die Armee belieferte; allenfalls gab es Versorgungslücken, wenn es den Schweden – wie am 30. Juli in Freystadt – gelang, sich eines ganzen Proviantdepots zu bemächtigen.’

Was für den Geschichtsschreiber nur einige Zeilen wert ist, bedeutet für die betroffenen Menschen unserer Gegend eine Heimsuchung von größter Tragweite:

,Kurbayern, verbunden mit Wallenstein, legt im oberpfälzischen Landstädtchen Freystadt ein Magazin, also ein Proviantlager, an. Von hier aus gehen in unregelmäßigen Zeitabständen Versorgungszüge zur Alten Veste ab. Für Gustav Adolf ist Altdorf als vorgeschobener militä-rischer Vorposten von Bedeutung. Der König schickt Dragoneroberst Taupadel mit 3 Regi-mentern nach Freystadt, um das Magazin anzugreifen und auszuplündern. In den frühen Morgenstunden des 30. Juli 1632 gelingt ihm dies auch. Das Untere Tor wird mit einer Petarde (= Sprengladung in einem Fass) gesprengt, das  Obere Tor gestürmt. Leutnant Kevenhiller wird dabei verwundet und stirbt. Ein historischer Bericht meldet: ,900 Stück Viech / und 300 Pferdt darvon gebracht / hernach das Rathauß / darinnen viel Getraidt gewest / Spital andere Haeuser / außgelaert / und in Brandt gesteckt.’

Der kaiserliche General Georg von Sparr lagert mit seinen 5700 Musketieren in der Nähe von Neumarkt und erhält von Taupadel den Befehl, dem Schweden ,den Pass zu verram-meln’, also den Weg abzuscheiden und die in Freystadt erlangte Beute abzujagen. Gustav Adolf muss dies geahnt haben und macht sich mit 2000 Reitern und 500 Musketieren von Nürnberg aus auf den Weg in unsere Gegend, um den Taupadelschen Rückzug zu sichern und sich mit seinem Obristen zu vereinigen. Das nürnbergische Altdorf wird derweil mit 1200 schwedischen Söldnern verstärkt. Im Schwarzachtal an der Fröschau treffen die Kaiserlichen und die Schweden aufeinander. In dem unwegsamen Gelände der bewaldeten ,Paßlohe’ und der sumpfigen, morastigen Rhätschlucht des Thanngrabens wird zum Schauplatz eines blutigen Gefechts. Eine geordnete Reiterschlacht ist hier zwischen der Fröschau und Altenthann unmöglich.

Der Geschichtsschreiber Franz von Soden berichtet über diese Auseinandersetzung: ,Lange verteidigte sich Sparr mit seinen Colleredischen Reitern und Musketieren in der Hoffnung, sich durchzuschlagen. Die Reiter wurden nebst dem Fußvolk fast sämtlich niedergehauen. Die Reiterei konnte sich in dem morastigen Boden nicht bewegen und die Musketiere glitschten aus. Sparr hatte sich lange Zeit hinter einem Busch verborgen, wurde aber von seinem Narren verraten und geriet mit dem Oberstleutnant Terzky, 4 Kapitäns, vielen Offi-zieren und 50 Soldaten in schwedische Gefangenschaft. Viele blieben im Sumpf stecken und kamen um. Die Schweden verloren den Oberst Rieß, einen tapferen Soldaten, worüber der König sehr betrübt war, auch den Hofjunker Hans von Boy und den Kammerpage Kreu-zenstein. An der Seite des Königs focht ein Kammerpage Leubelfing, ein Sohn des Obersten. Zwei dem Feind abgenommene Korneten wurden dem König überbracht. Die Reiter, welche sie erbeuteten, erhielten Denkmünzen von verschiedener Größe mit dem Bildnis des Königs. Mit solchen Trophäen geschmückt und im süßen Gefühl der gesicherten Beute von Freystadt kehrte der König nach Nürnberg zurück.’

Gustav Adolf erfährt, dass auch andere Regimenter der Kaiserlichen über Ferrieden nach Burgthann ziehen, um von dort das Universitätsstädtchen Altdorf zu brandschatzen und verjagt die Gegner bei Burgthann.

Bleibt noch zu vermelden, dass König Gustav Adolf nach seinem Sieg im Schwarzenbrucker Schloss übernachtet. Dort macht man den Monarchen auf das wildromantische Felsental der Schwarzach aufmerksam. ,Hier entstand, als die Musik den Abendsegen blies, beim König der Gedanke, am folgenden Sonntag morgens, ehe noch des Tages Sorgen die Seele trüben, in der Grotte einen Gottesdienst halten zu lassen und eine Predigt zu hören, um Gott für die errungenen Vorteile zu danken. Am Morgen sammelten sich die Kriegsvölker auf der Schwarzenbruck-Gsteinacher Flur zur feierlichen Kirchenparade, und die Felsenhalle füllte sich mit Generälen und Offizieren, die den König erwarteten. Als er erschien, bestieg der Prediger Cornelius Marci aus Nürnberg die Felsenkanzel und hielt nach Beendigung des von Pauken und Trompeten begleiteten Gesangs die Feldpredigt und das Dankgebet. Nach dem Segensspruch erklangen wieder die Trompeten und Hörner, die Kanonen donnerten von der Höhe herab, dass ringsum die Wälder erzitterten. Die Kriegsobersten flogen zu ihren Regimentern, deren sieggewohnte Fahnen im Winde flatterten, und an der Spitze seiner Krieger zog Gustav Adolf wieder dem befestigten Nürnberg zu.’

Heute macht eine Gedenktafel an der Felsendecke der ,Gustav-Adolf-Höhle’ in der Schwar-zachklamm mit der Aufschrift ,Hic fuit MDCXXXII’ (= Hier ist er 1632 gewesen) auf dieses bedeutende Ereignis mit dem siegreichen schwedischen König aufmerksam.

Der Weiler Affalterbach mit seiner Wallfahrtskapelle ,Zur lieben Frau’ auf der anderen Schwarzachseite, der Fröschau gegenüber gelegen, leidet sehr bei diesem Gefecht. Zeuge dieses blutigen Treffens vom 31. Juli 1632 ist der 11jährige Stephan Rupprecht von der Fröschau. Von ihm berichtet Pfarrer Ottmar Kreppel in seinem Heimatbuch: ,Augenzeuge dieses Treffens war der Bauer Stefan Ruppert von der Fröschau. Er starb im Jahre 1700, 79jährig. Die Boten hatten ihn als 11jährigen Knaben gebunden, als Boten bis auf den Herrenberg (= Hegnenberg) bei Altdorf mitgenommen, dort aber wieder entlassen. Im Jahre 1720 lebten noch seine beiden Söhne, Johann und Leonhard, als 60jährige Männer. Der Vater hatte ihnen öfters von der Schlacht in Paßlohe erzählt, wobei er sich noch lebhaft des Anblicks von Knochen und Hirnschalen der dort erschlagenen Kroaten erinnerte.’

Abb. König Gustav Adolf nach der Schlacht im Schwarzachtal 1632

Einige Details des Gemäldes versetzen uns in die Szenerie dieser dramatischen Zeit. Der schwedische König Gustav Adolf hoch zu Ross auf seinem Schimmel nimmt die Meldung eines Obristen entgegen, der auf die gefangenen Kaiserlichen weist, die demütig mit gesenkten Blicken vor dem Feldherrn stehen und die zwei Standarten mit dem Adler tragen. Die Fahne der siegreichen Schweden flattert im Wind. Auch der Nachschub an Lebens-mitteln – in Freystadt organisiert – ist geglückt: Auf Pferden werden Getreidesäcke herange-schafft, eine Rinder- und Ziegenherde weidet im Schwarzachgrund. Im Hintergrund thront auf dem Göckelsberg die Burg zu Thann.

Quellen:

  • 1) Hans Kauper: Die Schlacht bei Fröschau-Altenthann, Altdorf bei Nürnberg 1933
  • 2) Ottmar Kreppel: Heimatbuch – Vor dem Frauentor, S. 39
  • 3) Helmut Wilimsky, Das Kirchdorf Altenthann – Von Grundherrn, Pfarrherrn, Schulmeis-tern und Dorfleuten, 1998, S. 65ff
  • 4) Katasterplan von – 1831, Ausschnitt
  • 5) König Gustav Adolf nach der Schlacht im Schwarzachtal 1632, nach einem Gemälde von Christian Perlberg

Helmut Wilimsky

Granitwerk Lauterbach 1926

Granitwerk Lauterbach 1926

Erste Keimzelle der Gsteinacher Besiedlung befand sich an der Schwarzach, unterhalb des noch stehenden Felsenhauses: nämlich das alte Hammerwerk. Aufgrund der Wasserkraft entstand nach dessen Abriss etwas aufwärts das Fabrikgelände, in dem sich das Granitwerk ansiedelte. Zu Glanzzeiten waren dort 70 – 80 Personen beschäftigt. Hauptsächlich die Facharbeiter holte der Besitzer Georg Lauterbach aus Oberfranken (Lanzenberg, Himmelkron, Untersteinach usw.), wo er auch selbst seine Wurzeln hatte. Viele Nachkommen der Arbeiter leben auch heute noch am Ort. Eine frappierende Ähnlichkeit zu den Vorfahren ist bei manchen noch zu erkennen. Beispielsweise handelt es sich um die zweite Person im Bild rechts um Leonhard Swoboda, den Großvater des ehemaligen Kämmerers unserer Gemeinde Peter Friedl.
Im Betrieb arbeiteten Steinmetze, Steinschleifer, Fräser und Säger. Die beiden erstgenannten im Akkord. Gewohnt wurde damals in den Betriebswohnungen im Vorder- sowie Hinterwerk und auch im Felsenhaus. Der Lohn wurde jede Woche freitags in Lohntüten bar ausgezahlt, was einige dazu veranlasste (v. a. Akkordarbeiter) die Arbeit etwas früher niederzulegen, um das Wochenende mit einer Kahnfahrt einzuläuten. Dabei wurde kräftig musiziert und gesungen. Herr Graf spielte die Geige, Herr Klier die Teufelsgeige und der „Scheriff“ Hans Fischer das Bandonion. Letzterer übrigens mein Großvater (Anmerkung der Autorin Sonja Gernhart:-) ). Lustig ging es im Betrieb immer zu, es wurde im Wirtshaus nebenan gefeiert, große Betriebsausflüge wurden unternommen (bis nach Brixen und den Gardasee!). Wo gibt es das heute noch???
Das Material für die Verarbeitung kam teils von weit her, aus dem Bayerischen Wald, Schweden/Norwegen und sogar aus Südafrika. Geliefert wurde an den Ochenbrucker Bahnhof. Von dem gesamten Granitwerk sind heute nur noch der Lagerplatz der Steine, ein Grabstein direkt am Wanderweg und die Schienen zum Transport zu sehen.

 

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?

Aus “Rotkäppchen” und dem musikalischen Märchen “Peter und der Wolf” kennt ihn jedes Kind, den bösen Wolf. Nun ist er zurück, auch im Bayerischen Wald. In Franken, wo er einst auch zu Hause war, wird er wahrscheinlich die nächsten Jahre auch wieder heimisch werden. Die Diskussion ist groß, auch die Angst, sobald er in der Nähe besiedelter Gebiete gesichtet wird. Aber was tun? Wer den Michel von Lönneberga aufmerksam gelesen hat, kennt eine “alte” Lösung: Wolfsgruben! Dass solch eine gut erhalten in Schwarzenbruck zu finden ist, weiß kaum jemand. 

Völlig unspektakulär liegt die fast verschüttete Grube heute mitten im Wald oberhalb des Kirchweihplatzes. Zu Fuß findet man sie vom Wanderparkplatz aus, am nörlichsten Punkt ca. 20 m Richtung Norden in den Wald hinein . 

Gut erhalten ist sie wohl aus einem einzigen Grund: sie wurde aus dem Sandstein gehauen, kreisrund und genau 3 m im Durchmesser. Im Original waren früher die Gruben wohl bis zu 4 Metern tief. Noch schön zu erkennen ist eine “Unterhöhlung” des oberen Randes, die verhinderte, dass Tiere aus der Grube flüchten konnten. Um die Tiere in die Grube zu locken war es üblich in die Mitte einen Pfosten zu stellen, um Äste und Reisig für die Abdeckung zu stützen.  Als Köder verwendete man lebende, als auch verendete Tiere sowie Schlachtabfälle.
Wolfsgruben waren ab dem frühen Mittelalter eine gängige Jagdmethode. Schon Karl der Große ordnete die Jagd von Wölfen mittels Grube an. Wann genau unsere Grube entstand, kann nicht genau gesagt werden. Jedoch ist sie in einer Karte (Schmidtmeier) von ca. 1650 eingezeichnet. Zu dieser Zeit waren die Mehrzahl der Äcker und wohl auch Weidegründe der Schwarzenbrucker Bauern auf der südlichen Seite der Schwarzach. Eine weitere Wolfsgrube befand sich, grob beschrieben, zwischen dem heutigen Evangelischen Kindergarten und der Katholische Kirche, nödlich der Schwarzach. Diese ist aufgrund Bebauung (und vermutlich schon weit vorher) nicht mehr auffindbar. Mitte bis Ende des 19.Jhd. wurden die letzten Wölfe in Deutschland erlegt, die Wolfsgruben verloren spätestens dann ihre Bedeutung.
Interessant ist auch die Erzählung des Enkels unseres letzten Dorfhirten. Über Generationen wurde der “Beruf” in seiner Familie “weitervererbt”. Auch die Entstehungsgeschichte unserer Wolfsgrube wurde so mündlich weitergegeben. Es wird berichtet, dass sich in unserem Gebiet, das besonders hart im Dreißigjährigen Krieg umkämpft war, viele Menschen starben. Aufgrund der vielen Leichen vermehrten sich die Wölfe zu dieser Zeit rasant. Um derer Herr zu werden, gab es angeblich einen “Königlichen Erlass” zum Bau von Wolfsgruben. Leider konnte dies (noch) nicht durch Archivalien belegt werden.
Aufgrund der Seltenheit gut erhaltener Wolfsgruben (vor allem in unserem Raum) verfügt Schwarzenbruck wohl über ein noch unerforschtes archäologisches Kleinod, das von Mitgliedern unserer Gruppe bereits vor zwei Jahren beim zuständigen Bodendenkmalschutzamt gemeldet und sofort unter Schutz gestellt wurde.

S. Gernhart
Quelle: Bild 1 Stadt-AN E20/P12

Die Fröschau – ein Ort mit Geschichte

Die Fröschau – ein Ort mit Geschichte

Erste Hinweise auf eine Besiedlung in diesem Bereich liefern Keramikreste südlich der Straße. Sie zeigen uns, dass hier im 5. Jahrhundert vor Christus zeitweise ein keltischer Hof bestand.
Die Frühgeschichte der Fröschau ist noch relativ unklar: 1431 wird bereits der Flurname im Zusammenhang mit Wiesen erwähnt, der Hof aber erst 1497. Die ersten bekannten Besitzer war die Nürnberger Patrizierfamilie Mendel, die sich bereits 1388 mit der sogenannten Zwölfbrüderstiftung einen Namen machte: Sie stifteten ein Altersheim für alleinstehende Handwerker. Und diese Heimbewohner wurden seit 1537 unterstützt durch Abgaben aus der Fröschau, nämlich Roggen für das Brot, 30 Käse, vier Hühner im Herbst und zwei Hennen zur Faßnacht. Das Ganze wurde erwirtschaftet auf fünf Äckern und fünf Wiesen mit ungefähr 5 Hektar Fläche, dazu kamen noch 6 Hektar Wald. Die Bauern selbst waren Familien aus der Umgebung, wie Lang, Braun, Brunner, Rupprecht, Mayer und drei Generationen lang die Ottendörfer (1721-1805).
Seit 1560 geben uns die ältesten Karten einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Gebäude und 1599 erfahren wir von Plänen zum Neubau des Stadels und Innenausbau des Hauses. Schwierig war für die Fröschauer Bauernfamilie die Lage als Einzelhof an einer befahrenen Straße. Die Bäuerin hatte Angst vor Überfällen, wenn der Bauer weiter entfernt auf dem Feld oder zum Holzverkaufen am Markt war. Deshalb beantragte der Hofinhaber 1753 die Einrichtung einer Nebenwohnung am Hof, die ihm 50 Taler für das weitere Feuerrecht kostete. Möglicherweise ist in dieser Zeit das kleine Fachwerkhaus an der Straße entstanden, später wohnten dort Taglöhnerfamilien.
Fast 300 Jahre hatte die Fröschau zum Landgebiet der Reichsstadt Nürnberg gehört, bevor sie 1796 für zehn Jahre unter preußische Herrschaft kam. Mit dem Anfall ans Königreich Bayern wurden die zwei Häuser 1810 der neu gegründeten Gemeinde Moosbach (bis 1972) zugeschlagen. Der Hof selbst kam für rund ein Jahrhundert in die Hände der Rummelsberger Bauernfamilie Link, bis diese ihn 1907 mit 78 Tagwerk Land an das benachbarte Diakoniewerk, die Rummelsberger Anstalten verkaufte. Die Nachkommen der früheren Besitzer wohnen heute noch in der Region, wie z. B. in Winkelhaid. Eine ausführlichere Geschichte des Hofes erscheint demnächst in den Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft.

Walter Stadelmann, Rummelsberg

 

 


Bild: Fröschau 1916, Bildrechte: K. Müller, Fröschau 1

Faber-Castell in Schwarzenbruck

Faber-Castell in Schwarzenbruck

1761 fasste Kaspar Faber den Entschluss, sich als Bleistiftmacher selbständig zu machen und begründete damit die bekannte Bleistiftdynastie in Stein. [1] In der Folge wurde die, nun A.W. Faber genannte Firma, erfolgreich fortgeführt und von einem Handwerksbetrieb zu einer Manufaktur ausgebaut.
In vierter Generation gelang es Freiherrn Lothar von Faber, aus der noch relativ kleinen Firma, von 1839 bis 1896 ein Weltunternehmen zu formen und verschaffte damit der Familie hohes Ansehen und enormen Reichtum. Aufgrund seiner unternehmerischen und sozialen Verdienste erhob ihn die Bayerische Krone 1862 in den persönlichen Adelsstand und 1881 in den erblichen Freiherrnstand.
Bereits in den Jahren 1872 bis 1884 hatte Lothar von Faber über 2000 ha Land erworben rund um den Weiler Dürrenhembach. Aus dem 1874 gekauften Bauernhof der Eheleute Schrödel entstand dort ein komfortables Jagdhaus und der idyllisch gelegene Landsitz der Familie Faber.
In den Folgejahren wurde der riesige Landbesitz stetig erweitert und “arrondiert“. Die letzten übrigen Bauernhöfe in Nerret und Dürrenhembach wurden 1887 und 1891 gekauft.
In Schwarzenbruck erwarb die Familie Faber von 1879 bis 1904 praktisch alle südlich der Schwarzach gelegenen Ländereien: 93 ha Land vom Neubauer, drei komplette Bauerhöfe, ein Gütlein, und die Mühle, insgesamt 261 ha für 322.700 Mark (heutige Kaufkraft etwa 2,2 Millionen Euro).
Die Felder wurden aufgeforstet, sodass sich von der Schwarzach bis nahe Allersberg ein geschlossenes Waldgebiet ergab, der “Faberwald“, wie die Einheimischen hier sagen.
Das Holz wurde aber nicht für die Bleistiftfertigung gebraucht, wie viele glaubten. Für die hochwertigen Faber-Stifte kam nur astfreies Zedernholz in Frage. Lediglich in der Zeit der wirtschaftlichen Depression in den 20iger Jahren bis nach dem Weltkrieg mussten einheimische Erlen und Föhren verwendet werden.
Warum haben so viele Bauern verkauft?
Voraussetzung war die 1860 in Bayern endgültig vollzogene Abschaffung der Lehensabhängigkeit von den Grundherren. Die Umwandlung in freies Eigentum war allerdings mit erheblichen Zinsbelastungen verbunden, die bei den kargen Böden schwierig zu erwirtschaften waren. Die neue Gewerbefreiheit und die zunehmende Industrialisierung boten zudem neue Erwerbsmöglichkeiten.
Manch neuer Besitzer nutzte den Geldregen wohl auch für ein ruhiges Leben als Privatier.
Nach der Erhebung in den Freiherrnstand plante Lothar von Faber, als standesgemäßen Wohnsitz für seine Familie, ein Sommerschloss inmitten seiner Besitzungen.
Die Chronik des Lothar von Faber berichtet: [2]
“Als Standort wählten Lothar von Faber und seine Gemahlin Ottilie einen Baugrund nahe dem kleinen Ort Schwarzenbruck. …. Einstimmig wurde der noch mit hochstämmigen Fichten bewachsene Felsvorsprung gewählt, an dessen Abhängen das Wasser Schwarzach sich wie ein Silberband durch saftig grüne Wiesen schlängelt.“
Im Februar 1883 erfolgte die Grundsteinlegung. Im Sommer 1886 war dann das Bauwerk fertiggestellt
Die Fassaden des Schlosses sind im Stil der Neorenaissance gestaltet. Die rötlich gefärbten Quadersteine der Fassaden stammen aus einem Steinbruch bei Röthenbach und von einem eigenen Haus nahe Schwarzenbruck. Die gelblich weißen Steine für die architektonischen Verzierungen wurden aus Kulmbach per Bahn herbeigeschafft.

Bild 1: Faberschloss um 1900 [5]

Bild 2: Eingangshalle  [Foto: R. Kretschmann, 2018]

Die Inneneinrichtung ist erlesen: Holzvertäfelung mit Intarsien aus Berlin, feinstes Mahagoni und Palisander aus Paris, “Ameublement Styl Ludwig XV“. [3] Elektrisches Licht in allen Räumen.
Im Juni 1887 konnte das Schloss für einen mehrwöchigen Aufenthalt bezogen werden.
Es wurde in den folgenden Jahren während der Sommermonate zum beliebten Treffpunkt der Familie.
Die Chronik des Lothar von Faber berichtet: [2]
„Nach allen Seiten hin bietet der ausgedehnte Wald und das Schwarzachflüsschen, mit seinen romantischen Tälern, Anlass zu erquickenden Ausflügen. Auf einem schönen Aussichtspunkt zwischen dem Schlosse und dem Dorfe Schwarzenbruck wurde ein größerer Pavillon erbaut. Die Fahrwege wurden in alle Richtungen reguliert und verbessert. Genussreiche und angenehme Spazierfahrten wurden ermöglicht, zu welchen von der Familie und ihren Gästen gerne die Nachmittage benutzt werden.
Einer der schönsten war wohl der nach dem Weiler Nerret, am Hammerwerk Gsteinach vorbei, bei welchem die Schwarzach, von Felsen eingeklemmt, sich rauschend den Weg sucht. Der linksseitige Bergabhang, zum Schlossbesitz gehörend, wurde mit Spazierwegen, Geländern, Treppen und Sitzplätzen versehen, um die hier befindlichen Grotten und Felsvorsprünge bequem besuchen zu können. Schon jetzt hat sich dieser Fleck in der Bevölkerung und bei den Touristen den Namen >>Faber-Anlagen<< erworben.“

1891 wurde auch eine eigene Brücke über die Schwarzach für das Schloss erstellt. Sie sollte (über die heutige Graf-Roland-Straße) eine kürzere Fahrzeit zum Bahnhof ermöglichen. Heute ist es nur noch ein Übergang für Fußgänger.

1896 starb Lothar von Faber. Das Schloss Schwarzenbruck verlor danach an Bedeutung als Sommerfrische.

Die Enkelin Ottilie war von Lothar von Faber als Universalerbin des Familienvermögens vorbestimmt. Die Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau, die sich von den gesellschaftlichen Zwängen befreit, um ihr eigenes Leben zu führen, wurde bekannt durch den Buch-Bestseller von Asta Scheib. [4] Zurzeit wird der biographische Roman verfilmt.

1897 besuchten die jungen Verlobten Ottilie Freiin von Faber und Graf zu Castell Rüdenhausen das Schloss. Danach stand es leer.
Erst sechs Jahre später wurde das Schloss wieder mit Leben erfüllt. Zwischen 1903 und 1906 wurde es von Gräfin Ottilie und ihrem Mann ganzjährig bewohnt, da man den Bauarbeiten am “Neuen Schloss“ in Stein entgehen wollte.
Hier gebar die Gräfin 1904 die Tochter Irmgard und 1905 den Stammhalter Roland.

Graf Alexander von Faber-Castell führte die Firma erfolgreich weiter. Das Zentrum der Familie war nun aber das “Neue Schloss“ in Stein. Die Ehe wurde 1916 geschieden und Gräfin Ottilie schied aus der Fima aus.
1927 stirbt Graf Alexander von Faber-Castell. Sein Sohn Roland übernimmt 1928 die Führung des Unternehmens. Nach der schwierigen NS- und Kriegszeit baut er die Firma wieder zu einem globalen Unternehmen aus.
Er war zeitlebens Schwarzenbruck verbunden und erwies sich als engagierter Förderer und Gönner der Gemeinde. Er schenkte ihr unter anderem  die Schwarzach-Insel, wo heute die Kirchweih stattfindet.
Das Schloss wurde in der NS-Zeit für eine Parteischule requiriert. Nach dem Krieg beanspruchten es die Amerikaner für einen Armeeklub und danach beherbergte es Flüchtlinge und Heimatvertriebene.
Für eine symbolische Miete von einer Mark pro Jahr durfte es schließlich die AWO als Altenheim nutzen. (Der moderne Anbau wurde 1972 erstellt.)

Die 1887 von Lothar von Faber erworbene Mahlmühle in Schwarzenbruck wurde damals restauriert und als Bronzemühle verpachtet. Sie war bis 1911 in Betrieb. 1912 wurde die Mühle umgebaut zu einem Sägewerk. Ab 1920 wurden auf dem Gelände bis in die 50er Jahre auch Brettchen aus heimischem Holz gesägt für die Bleistiftfertigung in Stein. Dabei wurden zeitweise bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt. 1922 brannte das Sägewerk ab, wurde aber bereits 1925 durch ein moderneres Werk ersetzt.

Bild 3: Sägewerk In Schwarzenbruck um 1930 [5]

Das Sägen der Brettchen wurde Anfang der 50er Jahre an andere Standorte verlegt als wieder hochwertigere Hölzer für Bleistifte verfügbar wurden. Das Sägewerk selbst blieb unter verschiedenen Pächtern noch bis 1969 in Betrieb. Nach einem weiteren Brand 1972 wurden die Gebäude jedoch komplett abgetragen.
Mit Ausnahme des Flusskraftwerkes und eines kleinen Brunnens finden sich auf dem großen Areal im Unterdorf von Schwarzenbruck keine Hinweise mehr auf die historische Mühle, die Höfe der Stoffel- und Ula-Bauern oder das Sägewerk. Übrig geblieben ist eine leere Fläche. Nur zur Kirchweihzeit stehen dort Buden und eine Schiffschaukel.   Am Rand wurden in den letzten Jahren Häuser gebaut.
Auf der anderen Seite der Dürrenhembacher Straße kann man noch die alten Häuser des Neubauern und Fritzenbauern sehen.   

Graf Roland stirbt 1978. Damit endet auch die persönliche Bindung der Familie Faber-Castell an Schwarzenbruck.

Der Sohn Graf Anton Faber  übernimmt danach die Leitung der Firmengruppe. Er erschien nur noch selten zu besonderen Anlässen in der Gemeinde. Er stirbt 2016.
Mit Daniel Rogger führt nun zum ersten Mal ein familienfremder Vorstandsvorsitzender die Firmengruppe. Ob er wohl Schwarzenbruck kennt?

Quellen:
[1] Faber-Castell, Die illustrierte Geschichte einer Bleistiftdynastie, Collection Rolf Heyne, 2013
[2] Haus-Chronik des Freiherrn Lothar von Faber, 1887
[3] Degenhardt: Fundort Faberschloss: Nazis und kopflose Ritter
     http://www.nordbayern.de/region/feucht/fundort-faberschloss-nazis-und-kopflose-ritter
[4] Asta Scheib: Eine Zierde in ihrem Hause, Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell, Rowohlt
     Taschenbuchverlag, 23. Auflage, 2017
[5] Bilder aus dem Gemeindearchiv und von Dr. R. Kretschmann

Frister und G. Ziegler

 

Tourismus im Schwarzachtal Teil 2: Der Wanderweg

Tourismus im Schwarzachtal Teil 2: Der Wanderweg

Die Gsteinacher Wirtschaft

Sowohl August Graf von Platen1) als auch Landrichter Georg Schumacher2) berichten von Wanderungen ins Schwarzachtal im frühen 19. Jahrhundert. Die von beiden besuchten Orte gehen allerdings nicht über die nächste Umgebung des Hammerwerkes hinaus. Konrad Koch3) berichtet uns 1911 von Schwarzachhochwässern, die “Ganze Stücke der Uferböschung entrissen, Wege demoliert und Stege verschwemmt” haben. Genauere Nachrichten über den Unterhalt der Wege im Schwarzachtal erhalten wir 1928 in einer Beschreibung des Wegebaus im Schwarzachtal4). Wir erfahren hier, dass die Besitzer der Gsteinacher Wirtschaft in früheren Zeiten für die Gangbarkeit des Weges an der Schwarzach sorgten. Der Wanderweg folgt in dieser Zeit unmittelbar dem Lauf der Schwarzach. Erst durch die 1923/24 erfolgte Errichtung des Flusskraftwerks wird der Wanderweg zwischen diesem und dem Felsenhaus nach oben verlagert.

Der Verschönerungsverein Schwarzachtal

Abb.1: Karlshöhle um 1927. Quelle: GASbk

Am 14.04.1926 wird in der Gsteinacher Gastwirtschaft der “Verschönerungsverein Schwarzachtal” ins Leben gerufen. Ziel des neuen Vereins ist es, den Zustand der Wege zwischen Gsteinach und dem Brückkanal zu verbessern. Getragen wird der Verein hauptsächlich durch ortsnahe Geschäftsleute. In Zusammenarbeit mit dem fränkischen Albverein versieht der Verschönerungsverein Schwarzachtal die Wege mit Markierungen und lässt in den Zeitungen der Umgebung für das Schwarzachtal werben.

1926 und 1927 wurde der Weg durch mehrere Hochwässer fast völlig vernichtet. Steg und Brücke an der Karlshöhle waren zerfallen und der Weg am 1923 erbauten Stauwehr durch Erdrutsch unbegehbar. Im Herbst 1927 hat Bürgermeister Luber die Zustände am Wanderweg im Schwarzachtal der Gemeinde vorgetragen und trat dafür ein, daß hier etwas getan werden muss. Ein von Maurermeister Volkert erstellter Kostenvoranschlag von 3 bis 4000 Mark erwies sich als zu hoch um für die Gemeinde bezahlbar zu sein. Es wurde nun um Mittel bei Brauereien, Geschäftsleuten und Freunden geworben. Das Brauhaus Nürnberg genehmigte dazu nach wiederholter Vorstellung der Wirte Hart und Zimmerer 500 Mark. Am 18.01.1928 wurde eine Baukommision gebildet und am 25. Januar die Arbeit aufgenommen. Beschäftigt wurden die Arbeitslosen der Gemeinde. Zunächst wurden der Uferschutz an der Karlshöhle in Angriff genommen sowie der Aufstieg unterhalb des Flusskraftwerks neu angelegt. Um mit den Arbeiten fortfahren zu können waren weitere Spenden erforderlich. Spendenaufrufe wurden dazu in allen großen Nürnberger Tageszeitungen geschaltet. Im Nürnberger Landboten wurde dieser Spendenaufruf am 14.02.1928 abgedruckt6). Es folgten darauf doch beachtliche Spenden von Firmen und auch Einzelpersonen aus der weiteren Umgebung, darunter Brauereien aus Nürnberg, Fürth und Neumarkt sowie der Stadt Nürnberg die nach einigen Gesuchen 1000 Mark dazugab. Am 07.04.1928 berichten Nürnberger Zeitung, Der Fränkische Kurier, sowie der Nürnberger Landbote7) über den wieder hergestellten Weg. Abb.1 zeigt die Karlshöhle Mitte der 1920er Jahre von West nach Ost. Das Niveau des Höhlenbodens ist niedriger als heute, was an der längeren Treppe gut sichtbar ist. Der 1. Karlshöhlensteg ist komplett aus Holz und anstelle des 2. Karlshöhlensteges befindet sich eine starke Uferbefestigung.

Wiederherstellung Touristenweg 1950

Nachdem am Ende des 2. Weltkrieges die Autobahnbrücke der A9 von deutschen
Einheiten gesprengt wurde, ist die Schwarzach bis auf Höhe der Karlshöhle aufgestaut

Abb.2: 2.Karlshöhlensteg Foto: Landschaftsplanungsbüro Grebe 1967, GASbk11)

und der Wanderweg im Tal bedarf erneut größerer Instandsetzungsarbeiten. Die Gemeinde Schwarzenbruck mit Bürgermeister Hans Schmidtner sorgte für die Finanzierung der Arbeiten. Um Kostenbeteiligung nachgefragt wird bei den interessierten Wirten, dem Fränkischen Albverein, der Gemeinde Feucht, der Stadt Nürnberg sowie dem bayerischen Staat, der für die Beseitigung der Schäden, die durch die Sprengung der Autobahnbrücke entstanden waren um einen Zuschuß ersucht wird. Am 22.08.1950 treffen sich dazu verschiedene Parteien im Schwarzachtal. Nachdem ein Kostenvoranschlag von ca. 13.000 DM allgemein akzeptiert wird, kann am 04.09.1950 mit den Arbeiten begonnen werden. Die Arbeiten werden durch Julius Fleischmann und dem Bayerischen Jugendsolzialwerk ausgeführt.

Wie bereits erwähnt verlief der Wanderweg vor dem Bau des Flusskraftwerkes 1923 durchgehend im Talgrund der Schwarzach. Im Zuge der Instandsetzung des Wanderweges 1950 waren Überlegungen angestellt wurden, den Wanderweg wieder direkt an der Schwarzach entlang zu führen. Dies wird aufgrund zu hoher Kosten verworfen.

Direkt östlich des Flusskraftwerks befindet sich ein unvollendeter Treppenabgang, der vor einem Meißel im Felsen endet. Die Treppenstufen sind geschliffene Steine aus kristallinem Gestein und wurden von der Firma Lauterbach zur Verfügung gestellt. Aus den Sitzungsprotokollen8) wird nicht klar, ob diese Arbeiten mit den Instandsetzungsarbeiten von 1950 in Zusammenhang stehen. Der 2. Karlshöhlensteg (Abb.2) hat spätestens 19519) existiert. Bis Ende der 1960er Jahre war der 2. Karlshöhlensteg eine auf Stahlträgern aufgesetzte Holzkonstruktion.

Der Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V

Im Jahr 1968 wendet sich einer der Autoren (Frister) als 1. Bürgermeister der  Gemeinde Schwarzenbruck an den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und seinen Kollegen im Landkreis mit der Bitte zu helfen, das Schwarzachtal zu erhalten und zu gestalten

Abb. 3: Steg aus 2 Baumstämmen westlich der Karlshöhle, Foto G. Gerardi 1972, GASbk11)

Daraus entsteht schließlich nach Münchner Vorbild der Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V. Es ist ein Zusammenschluss von Städten, Gemeinden und Landkreisen des westlichen Mittelfranken zur Schaffung von Naherholungseinrichtungen im Lorenzer Reichswald und seiner Umgebung10). Eine der ersten Projekte zu denen dieser Verein Zuschüsse zur Verfügung stellt, ist eine größere Sanierungsmaßnahme der Wege und Stege in der Schwarzachklamm. In der Karlshöhle werden dabei die bisherigen Holzgeländer durch Stahlgeländer ersetzt. 1969 findet dann eine Besichtigung der erneuerten Anlagen statt, bei der auch der damalige Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Andreas Urschlechter, dem Tal seine Aufwartung macht.

2 Stege um die Karlshöhle

Etwa 3 Jahre nach diesen Maßnahmen entsteht aus 2 Baumstämmen der in Abb. 3 dargestellte Steg. Die Baumstämme werden ohne Widerlager direkt über die Schwarzach gelegt und sind damit entsprechend verwitterungsanfällig. Ende der 1970er Jahre dürften die letzten Reste dieses Steges vermodert gewesen sein. Ein Vermächtnis dieses Steges ist ein Schild am oberen Ende des südlichen Zugangs: “Schwarzachstege gesperrt Lebensgefahr”.

Einige Zeit später, 1985 errichtet die Gemeinde Schwarzenbruck südlich des Ludwigskanales neue Brunnen für die Trinkwasserversorgung. Die dazu gehörige Wasserleitung quert östlich der Karlshöhle die Schwarzach und die Gemeinde nutzt die Gelegenheit an dieser Stelle auch einen Schwarzachübergang für Touristen zu errichten. Nun sind 1980ger Jahre als Zeit bekannt, in der die Sensibilität der Bevölkerung in Sachen Umwelt- und Naturschutz deutlich zugenommen hat. Dies ist auch bei Errichtung des Wasserleitungsstegs (Abb. 4) spürbar wo sich die Gemeinde veranlasst sieht aufgrund von Bedenken und Befürchtungen des “Bund Naturschutz” eine Pressekonferenz zu diesem Brückenschlag einzuberufen.

Generalsanierung von Brücken und Stegen 2002

In diesem Jahr wird eine Generalsanierung der Brücken und Stege im Schwarzachtal vorgenommen. Darunter fallen im Umfeld des Schwarzachtales der Steg am Gasthaus zum Schwarzachtal (Hammerwerksteg), der Steg am Weg zur Westab (Wasserleitungssteg), der 1. Steg an der Karlshöhle, der 2. Steg an der Karlshöhle sowie der Steg am Nerrether Weg zwischen Brückkanal und Schleuse 58 am Ludwigskanal . Mit noch einigen anderen Stegen flussaufwärts der Klamm werden die Gesamtkosten mit 306.317,33 DM veranschlagt. Durch Verwendung widerstandsfähigerer Geländer erhöht sich der Gesamtbetrag am Ende auf 402.953, 59 DM. Bezuschusst werden die Maßnahmen durch den Verein Naherholungsgebiet Lorenzer Reichswald und Umgebung e.V. Nach dieser Maßnahme präsentierten sich die Kunstbauten im Schwarzachtal so, wie sie heute noch zu sehen sind.

Bernd Mayer, Albrecht Frister

Abkürzungen:

DB: Der Bote/Nürnberger Landbote
GASbk: Gemeindearchiv Schwarzenbruck

  • Anmerkungen:
  • 1) August Graf von Platen †: Der Dichter August Graf von Platen in Altdorf, in Reichswaldblätter des Nürnberger Landboten Nr. 6 1937.
  • 2) Schumacher, G.(Landrichter): Einige ältere Nachrichten aus dem Gemeindebezirk Schwarzenbruck in Dreizehnter Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken, BeilageVII, 1843 .
  • 3) Koch,K.: Eine Wanderung durchs Schwarzachtal (Fortsetzung), in Das Bayernland, S. 112-114, 22.Jg. 1911.
  • 4) GASbk: 63/13/a-k 1915 – 1928  Schwarzachtal – Wanderweg, 1928 Wegbau ins Schwarzachtal zwischen Brückkanal und Gsteinach.
  • 5) DB: Feucht: Neue Wegmarkierung im Schwarzachtal, 15.07.1926.
  • 6) DB: Das untere Schwarzachtal in Gefahr, 14.02.1928.
  • 7) DB: Das Schwarzachtal, 07.04.1928.
  • 8) GASbk: Sitzungsprotokolle des Gemeinderats, 1950.
  • 9) Gemeinde Schwarzenbruck (Hrsg.): Das Schwarzachtal, Ausgabe 1951.
  • 10) 5.Juni 1968: Ein Hilferuf fürs Schwarzachtal in  www.nordbayern.de/region/nuernberg/5-juni-1968-ein-hilferuf-furs-schwarzachtal-1.7650753
  • 11) GASbk: VIII-B. Mappe 20 Schwarzach.

 

So war unsere Kirchweih in der “guten“ alten Zeit

So war unsere Kirchweih in der “guten“ alten Zeit

Früher wurde bei uns die Kirchweih zur gleichen Zeit wie in Feucht gefeiert, da die Gemeinde Schwarzenbruck zur Pfarrgemeinde Feucht gehörte.
In dem Salbuch von Schloss und Dorf Schwarzenbruck von 1568 lesen wir: “Wann zu Feucht Kirchweih ist, nämlich um S. Jacobi, so ist sie auch zu Schwarzenbruck. Jedoch gebraucht man sich anderer Kirchenschützer oder Tänz alda.“
Es war üblich, dass die Gutsherrschaft vor dem Fest den Kirchweihschutz (Kirchweihfrieden) verkündete. Dieser besagte, dass das Fest friedlich ablaufen solle und etwaige Übertretungen von der Herrschaft sofort und streng geahndet würden. Der Aufruf war durchaus verständlich, denn das Kräftemessen der jungen Burschen mit einer Rauferei war auch in jüngerer Vergangenheit keine Seltenheit.
Über die Unterschiede der Tänze ist dagegen nichts überliefert.
Bekannt ist der historische Streit um den Kirchweihschutz in Affalterbach. Der Ort mit der Wallfahrtskirche befand sich gegenüber dem Weiler Fröschau, auf der südlichen Seite der Schwarzach, in der heutigen Kappelflur. Im Jahr 1502 eskalierte dieser Streit zum Krieg zwischen der Reichsstadt Nürnberg und der Markgrafschaft Ansbach. Der Ort wurde dann im zweiten Markgrafenkrieg 1556, und schließlich 1632 im 30-jährigen Krieg völlig zerstört und nicht wieder aufgebaut.
1792 kam unser Gebiet, zwischen Nürnberg und Altdorf unter preußische Verwaltung. Damit wurden zwangsweise viele Kirchweihtraditionen verboten, unter anderem der Kirchweihbaum. Als Franken dann 1806 zu Bayern kam, wurde auch der Kirchweihschutz als mittelalterliches Relikt endgültig abgeschafft. Es war immer wieder zu Streitigkeiten über die Zuständigkeit gekommen. Nach Fortfall der herrschaftlichen Schutzausübung konnte sich im 19. Jahrhundert das Brauchtum dann frei entwickeln. Die Kirchweih wurde ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie bot eine gute Gelegenheit das Dorf von der schönsten Seite zu zeigen. Je besser das Fest organisiert war, desto größer war der Zulauf aus der Umgebung.
1949 beschloss der Gemeinderat, den Termin der Kirchweih um zwei Wochen auf den ersten Sonntag im Juli vorzuverlegen, obwohl es hier (bis 1954) noch keine Kirche gab. Der Grund war profan. Man wollte erreichen, dass am Kirchweihtag die Leute nicht alle nach Feucht laufen. Die Wirtshäuser vor Ort wollten auch ihr Geschäft machen.
Die Kirchweihfeier fand in der “Vor-Bierzelt- Zeit“ in und um die Wirtshäuser statt.
In Schwarzenbruck befand sich der Festplatz im Äußeren Schlossplatz, vor dem Gasthaus Goldener Engel (beim Ulm). Hier wurde der Kirchweihbaum aufgestellt, bewacht und der Betz ausgetanzt, wie heute noch üblich. Die Kapelle Sturm spielte fränkisch auf. Später kamen dazu Schiffschaukel, Karussell und Buden, die aus Platzgründen an den Plärrer verlegt wurden. Für den Kirchweihtanz bot dann die 1959 fertig gestellte Turnhalle am alten Sportplatz einen passenden Saal mit Bühne. Die Kapelle spielte Foxtrott und Swing für die Jungen und Walzer und Polka für die Älteren. Das Kirchweihgeschehen verlagerte sich damit zunehmend zum alten Sportplatz, wo ab Ende der 1960iger Jahre auch ein großes Bierzelt und Fahrgeschäfte aufgebaut wurden. Vereinzelt fand dort auch noch das Baum-Austanzen statt. Nach 1980 entstand schließlich der heute bekannte Kirchweihplatz mit Bierzelt an der Schwarzachinsel im Unterdorf. Dieses Areal war der Gemeinde Schwarzenbruck von Graf Roland von Faber-Castell zur 950-Jahr-Feier 1975 geschenkt worden.
Den meisten Bewohnern der Gemeinde ist wahrscheinlich nicht bekannt, dass auch in Ochenbruck bis in die 50iger Jahre Kirchweih gefeiert wurde. Die ältere Generation im Ort und in der Umgebung kann sich sicher noch erinnern. Die stattlichen Gasthäuser Schwarzer Adler (Hart) und Hochreiter (im Krieg zerstört, nach dem Krieg Schuler) hatten ihre Eingänge in traditioneller Weise mit Birkenzweigen geschmückt und waren zum Empfang der Gäste gerüstet.

 

Jung und Alt, kamen in großer Zahl, auch aus den Nachbarorten, denn die Kirchweihen waren damals, als noch der Kirchenkalender galt,  eine der wenigen Tage im Jahr wo öffentlich gefeiert und getanzt werden durfte.  Junggesellen nutzten die Gelegenheit zur Brautschau. Geschäftsleute mussten sich sehen lassen und “Zeche machen“, Verwandte kamen zum Familientreffen. Das Bier floss reichlich, die Kirchweihgerichte waren deftig, die Küchla evangelisch (viereckig und bauchig). Im Wirtsgarten beim Hochreiter, unter den hohen Linden, war eine Bühne aufgebaut, die Kapelle lud mit Dreher und Zwiefachen zum Tanz.  Zu späterer Stunde wurden Kirchweihlieder gesungen, die zu der Zeit den alten und jungen Sängerfreunden noch geläufig waren. Im Saalbau des Schwarzen Adlers fand der traditionelle Kirchweihtanz statt.  So manches Ehepaar hat sich dort kennengelernt.  

Auf halbem Weg zwischen den beiden Gasthöfen befand sich der Kirchweihplatz, wo sich die Kinder tummelten.  Im Hof des Geismann-Bierlagers  (heutiges Hotel Hellmann) drehte sich das Kettenkarussell. Davor, am Ochenbrucker Plärrer, standen Schiffschaukel, Schießbude und Verkaufsstände mit Süßigkeiten. Die Kinderanimation beschränkte sich noch auf einfache Angebote, wie Sackhüpfen oder  Wurstschnappen. 

 

Heute ist diese Form der Wirtshaus- oder Straßenkirchweih in Schwarzenbruck oder Ochenbruck gar nicht mehr denkbar, da die traditionellen fränkischen Wirtshäuser nicht mehr existieren.  Zum anderen tendiert die Jugend zu Festivals mit populärer Musik die nur in einem großen Bierzelt mit Volksfest-Charakter realisiert werden können.
In Altenthann, Burgthann oder Altdorf kann man jedoch die “alte“ Kirchweih noch erleben.  

A. Frister und G. Ziegler

Quellen: Gemeindearchiv und Mittelfränkische Heimatkunde: Brauchtum in Mittelfranken, 1986;  Bilder: Gemeindearchiv

 


Bild 1: Gasthof Schwarzer Adler zur Kirchweih um 1920

Bild 2: Kirchweihplatz in Ochenbruck um 1950

Zur Geschichte der Brücke in Schwarzenbruck

Zur Geschichte der Brücke in Schwarzenbruck

Eine einfache Brücke über die Schwarzach muss schon im frühen Mittelalter bestanden haben, denn König Konrad II hat 1025 auf seinem Weg von Regensburg nach Bamberg in “Suarzabrucca“ Rast gemacht und eine Urkunde unterschrieben.
Im Gemeindewappen (1963) wird sie als durchgehende, gemauerte schwarze Brücke mit 2 Jochen dargestellt,als Sinnbild für den Namen der Gemeinde und als Hinweis auf den uralten Übergang.

Im Salbuch über Schloss und Dorf zu Schwarzenbruck von 1568 lesen wir:
“Im Dorf ist ein Prucken über die Schwarzach, die wird erhalten durch ein ganz Dorfgemein, in der der Hammer Steinach auch begriffen ist. Das Holz dazu gibt man vom Nürnberger Wald, die dürfen aber weder Amtmann noch Forstermeister für ihr Interesse nichts geben, sondern zahlen allein den Waldhauern ihren Taglohn. Man gibt auch dies Orts weder Maut, Weg- oder Brückenzoll.“
Dies bedeutet, dass Bau und Unterhalt der Brücke von den 7 Hofbauern, dem Mühlenbesitzer von Schwarzenbruck und dem Hammerwerksbesitzer in Gsteinach zu je 1/9 übernommen werden musste. Die Schlossherrschaft war ausgenommen.
Da es sich um eine einfache Brücke mit Holzstützen und Balkenbelag handelte, musste sie häufig, wahrscheinlich jährlich, repariert werden, d.h. es entstanden laufend hohe Kosten.
An der Finanzierung war Ochenbruck nicht beteiligt, da die Forsthube nicht zur Landgemeinde Schwarzenbruck gehörte. (Erst nach 1806 wurde Ochenbruck Teil der Districtgemeinde)
In einem späteren Salbucheintrag (ohne Zeitangabe, muss aber nach 1820 erfolgt sein) wird vermerkt:
“Seit in Ochenbruck der Weg gepflastert ist und eine Chaussee von Ferrieden bis an die Brücke geht, fahren keine Lastwagen (Pferdewagen) mehr über Schwarzenbruck und keine Posten (Postwagen). Sollten die Lagerbäume und Pfeiler schadhaft werden, so wird wohl die Brücke aus Stein gebaut werden müssen. Allein dann ist es unmöglich, dass die Gemeinde dieses bestreiten kann und man wird an die Landesherrschaft recurieren (sich wenden) müssen. Zur Zeit darf sie nur jährlich mit Überlegholz ausgebessert werden.“
Eine völlige Erneuerung “der kostspieligen, langen“ Brücke muss 1821 erfolgt sein. Sie hat 2200 Gulden bares Geld gekostet , ohne Hand- und Spannfron. Die jährlichen Tilgungskosten von 15 Gulden erscheinen in den späteren Gemeinderechnungen.
32 Jahre später, also 1853, wurde die Anlage wiederum aufwändig erneuert. Die “Akkordsumme“ betrug 775 Gulden. Die Gemeinde stellte diesmal einen Antrag auf Genehmigung eines Brückenzolls. Es ist nicht belegt, ob dem stattgegeben wurde.
1870 war erneut eine gründliche Überholung notwendig. Die Kosten betrugen diesmal 200 Gulden. Den 9 Gemeindeberechtigten, die bisher die Kosten zu tragen hatten, erschien diese Summe reichlich hoch. Sie sahen außerdem nicht ein, dass ausgerechnet die Gutsherrschaft von den Kosten befreit sein sollte, und verlangten, dass die Herrschaft zu gleichen Teilen zur Deckung der Kosten herangezogen werden solle.
Gegen eine derartige Zumutung wehrte sich die damalige, streitbare Gutsbesitzerin Sabine Freifrau von Scheurl heftig.
So kam es 1781 zu einem Prozess bei dem Amtsgericht Nürnberg. Die Gemeinde wollte beweisen, dass die Familie Scheurl in der Vergangenheit an den Gemeindenutzungen teilgenommen hat (zum Beispiel Holzanteile aus dem Gemeindewald erhalten hat) und sich auch am jährlichen Brückenunterhalt beteiligt hat. Als Zeugen wurden der Zimmermeister Johann Kränzlein und der Maurergeselle Adam Brunner benannt. Der Anwalt der Gemeinde bestand auf umgehende Vernehmung, mit der Begründung, dass beide Zeugen bereits im 56. Lebensjahr stehen und wegen dem hohen Alter zu befürchten ist, dass der eine oder andere“ mit Tod abgeht“. Der Antrag wurde jedoch vom Gericht abgelehnt.
Frau v. Scheurl erklärte, dass die Gutsherrschaft niemals das Gemeinderecht hatte, wie die 7 Hofbauern, und ihre Beiträge in der Vergangenheit freiwillig waren.
Nach längeren Verhandlungen entschied das Bezirksgericht schließlich auf “Abweisung der Klage“. Damit endete der Prozess wenig rühmlich für die Gemeinde Schwarzenbruck.
Die Brücke wurde von den 9 Gemeindeberechtigten zu gleiche Anteilen bezahlt:

  • Michael Schrödel: Kittlerhof (H-Nr. 1)
  • Stephan Rupprecht: Bräunleinshof (H-Nr. 12 und 13)
  • Johann Haas: Neubauerhof (H-Nr. 17)
  • Georg Konrad Meier: Fritzenbauernhof (H-Nr. 18)
  • Stephan Schrödel: Stoffelbauernhof (H-Nr. 19 und 20)
  • Konrad Böhm: Ulabauernhof (H-Nr. 22)
  • Johann Beck: Fenzelbauernhof (H-Nr. 26)
  • Georg Herrmann: Mühle und Sägewerk (H-Nr. 23 und 24)
  • Karl Zäh: Hammerwerk in Gsteinach (H-Nr. 28, 29 und 30)

Es wurde Brückenzoll beantragt und anscheinend auch erhoben.
Durch das Hochwasser am 4. und 5. Februar 1909 wurde die Flutbrücke komplett zerstört.
Für die Erneuerung hatte das Bezirksamt 50% Kostenübernahme zugesagt, wenn der Bau nach dem, vom Bezirksbaumeister geplanten “ großen Projekt“ von der Gesamtgemeinde (der Districtgemeinde, d. h. einschließlich Ochenbruck) getragen wird. Nach Zustimmung der Gemeindeversammlung wurde die Brücke dann als stabile Stein- und Eisenkonstruktion neu erstellt. Die Kosten dafür betrugen 7.290 Mark.

 

Sie hielt fast 35 Jahre Stand, wurde aber zum Ende des 2. Weltkrieges durch amerikanische Panzerfahrzeuge und danach noch durch schwere Sand-Lastwagen stark beschädigt. Am 11.8.49 bestätigt der Kreisbaumeister noch, dass die Tragfähigkeit der Brücke ausreichend ist. Er empfiehlt jedoch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Lastwagen auf 10 km/h. Ende der 50iger Jahre wurde die Brücke jedoch baufällig und musste schließlich 1958 für Lastwagen ganz gesperrt werden. Faber-Castell drängte auf schnelle Erneuerung, da sein viele 100 ha großer Waldbesitz und sein Sägewerk in der Holzabfuhr abgeschnitten seien. Er drohte mit dem Ausbau einer eigenen Forststraße zur B8. Die Gemeinde war zwar finanziell stark belastet, unter anderem durch den gleichzeitigen Schulhausneubau, aber dennoch wurde der Bau der Brücke noch 1958 beschlossen. Aus Kostengründen wurde eine Stein- und Holzkonstruktion gewählt, zu der Faber-Castell das Holz kostenlos zur Verfügung stellte. Die Gesamtkosten konnten damit auf etwa 34.000 DM begrenzt werden. Die Brücke hielt dann immerhin fast 60 Jahre. 2014 wurde der Übergang über die Schwarzach schließlich als massive Betonbrücke, dem Stand der Technik entsprechend, komplett neu errichtet. Sie wird hoffentlich jedem Hochwasser Stand halten. Die Kosten dafür beliefen sich allerdings auf 684.000 Euro

A. Frister und G. Ziegler – Quellen: Archiv der Gemeinde Schwarzenbruck


Bild 1: Alte Brücke (1910)

Bild 2: Neue Brücke (2014)

Das Schwarzenbrucker Silvesterfeuer

Das Schwarzenbrucker Silvesterfeuer

In Schwarzenbruck wie auch in Ochenbruck war es Tradition zu Silvester auf einem zentralen Platz ein Holzfeuer zu entzünden. Die Tradition reicht mindestens in die Zwischenkriegszeit zurück, ist aber wahrscheinlich noch älter.

In Schwarzenbruck war der Ort dieses Feuers der Plärrer. Nachdem sich die Schwarzenbrucker dort versammelt hatten wurde Punkt 00 Uhr das Feuer entzündet und die Menge began die  3 Verse des Liedes “Nun danket alle Gott” zu singen. Nach diesem Ritual beglückwünschten sich die Bürger gegenseitig zum neuen Jahr. Zum Schluss sprangen mutige Mädchen und Jungen über die Glut des erlöschenden Feuers.

In den letzten Kriegsjahren musste diese Tradition wegen der Verdunklungsvorschriften für einige Zeit unterbrochen werden. Kurz nach Kriegsende wurde sie wieder aufgenommen. In den1960ger Jahren wurde der Gesang der Schwarzenbrucker durch den neuen Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde unterstützt.

Das Ritual fand statt solange sich einer für zuständig fand das nötige Holz vorrätig zu halten und den Stapel aufzuschlichten. Der letzte, der sich dieser Aufgabe gewachsen zeigte war der Schwarzenbrucker Altbäckermeister und spätere Museumsbetreiber Willy Distler.

In Ochenbruck war der Platz den dieses Silvesterfeuer erstrahlen ließ, der heutige Parkplatz vor dem Hotel Hellmann. Nach dem Bau der Erdgasleitung nach Neumarkt mussten die Ochenbrucker diesen Brauch aufgeben.

Die Abbildung zeigt das Zentrum von Schwarzenbruck. Zeitpunkt ist wahrscheinlich der Jahreswechsel 1967/1968. Der Schein des Feuers lässt auf diesem Foto die Fläche links des Baukrans  im Hintergrund in fahlem Gelb erstrahlen. Der Fotograf stand an dem bei alteingesessenen Schwarzenbruckern als “Säghübbel” bekannten Aussichtspunkt, südlich oberhalb der ehemaligen Faber’schen Säge. Auf dem Foto befinden sich von links nach rechts Das Ecksteinhaus, das Miedererhaus, das mittlerweile abgerissene Gemeindehaus und auf der anderen Seite der Dürrenhembacher Straße das Schrödelsche Bauernanwesen.

Beim Gemeindehaus handelt es sich um das beim Luftangriff auf Schwarzenbruck am 20.04.1945 zerstörte und nach Kauf durch die Gemeinde wieder aufgebaute Wohnhaus des Fenzelbauernhofes.

Die Gemeinde nutzte dieses Gebäude als Heim für Heimatvertriebene sowie für bedürftige Schwarzenbrucker Bürger.

Adolf Knoch, Bernd Mayer, Albrecht Frister.

 

Silvester 1967/68
Quelle: Unbekannt, zur Verfügung gestellt: Archiv der Gemeinde Schwarzenbruck

 


Silvester 1967/68

Zur Geschichte der B8 durch Ochenbruck

Zur Geschichte der B8 durch Ochenbruck

Von A. Frister und G. Ziegler

Im Frühmittelalter führte der Fernweg von Bamberg nach Regensburg über die Brücke in Schwarzenbruck. Den hat König Konrad II genommen, als er hier 1025 kurze Rast machte und eine Urkunde unterschrieb. Damit wurde Schwarzenbruck (“SUARZABRUCCA“) erstmals urkundlich erwähnt. [1]
Diese alten Verbindungen waren noch keine Straßen im heutigen Sinn, sondern mehr Fahrspuren durch dichte Wälder und Hohlwege ohne Befestigung.
Mit dem Entstehen der Städte und dem Aufblühen des Handwerks im 12. und 13. Jahrhundert wurden gut befahrbare Handelsstraßen benötigt und angelegt. Der Wegebau erfolgte zumeist noch mit Hölzern und Faschinen (Reisig- und Rutenbündeln). Die Städte und Landesfürsten waren zur Instandhaltung verpflichtet, taten aber aus Kostengründen nur das Nötigste. Die sprichwörtliche Fahrt über “Stock und Stein“ war die Regel.
Im 15. Jahrhundert führten von Nürnberg aus 12 Fernstraßen in alle Himmelsrichtungen (“Nürnberger Tand geht durch alle Land“). Die wichtigsten waren sogenannte Geleitstraßen auf denen die Kaufmannszüge von Söldnern begleitet wurden, zum Schutz gegen Straßenräuber. Das Gewinn bringende Recht des Geleits stand jeweils dem Landesfürst zu, durch dessen Gebiet der Straßenabschnitt verlief. [2]
Die Fernstraße von Nürnberg nach Regensburg führte durch Ochenbruck entsprechend dem Verlauf der B8, und weiter in den Donauraum, der ein Handelsschwerpunkt für Nürnberg war.
Der erste Geleitabschnitt verlief durch den Lorenzer Wald und reichte bis zur Schwarzachbrücke in Ochenbruck. Wegen der Zuständigkeit für das Geleit gab es ständig Streit zwischen der Stadt Nürnberg und der Marktgrafschaft Ansbach. Ab der Schwarzachbrücke begann der Bereich der Pfalzgrafen.
An der Grenze wurde Brückenzoll erhoben, das zuständige Amt war jedoch in Feucht ansässig.
Die Brücke war auch Fraischgrenze (Grenze der Gerichtsbarkeit) und Gerichtsstandort.
Ochenbruck war ursprünglich eine Forsthube. Bei der Lage an der Brücke und Mühle mit den vorbeiziehenden Reisenden, hauptsächlich Frachtfuhrleuten, war es naheliegend, Verpflegung, Ausspanndienste und Nachtlager anzubieten.
Wahrscheinlich hat es hier schon von alters her Bewirtung gegeben, aber erst 1487 erlangt Lorenz Seidenschuher die kaiserliche Erlaubnis für die Errichtung einer Schenkstatt und eines Hammers.
1682 ließ C. F. Schmidmayer das Schild “Zu den 3 Eichen“ anbringen. Jedoch erst 1801 durfte die Wirtin Anna Böhm ein Gasthaus (den späteren Schwarzer Adler) mit Bewirtung und Übernachtung (ein Zimmer mit Ofen) einrichten
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden auch in Franken Landstraßen zu Chausseen nach französischem Vorbild ausgebaut. [3] Es handelte sich dabei um technisch aufwändige “Kunststraßen“. Der Sockel wurde mit großen Steinen aufgebaut und mit Randsteinen versehen. Darüber kam eine Deckschicht aus Kies und Sand. Beiderseits wurden Gräben angelegt und Bäume angepflanzt.
Die Chaussee von Feucht bis und durch Ochenbruck wurde 1800 bis 1810 gebaut. Die Einwohner der Gemeinde mussten dafür entsprechende Hand- und Spanndienste leisten.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Ortsdurchfahrt in Ochenbruck diese Form (Bild 1).
Um 1900 entstanden, neben dem Gasthof Schwarzer Adler, weitere Geschäftshäuser entlang der Straße: Der Gasthof Zum Bahnhof von G. Hochreiter (heute Taverne Parthenon), mit großem Biergarten; daneben die Schmiede Fuchs (später Konsum und Apotheke, heute Döner-Laden); gegenüber das Gemischtwarengeschäft G. Meyer (“Schmoler“ genannt) mit der ersten Tankstelle am Ort, und die bekannte Bäckerei Worzer. So entwickelte sich das heute sichtbare Straßendorf, das zuvor auf den Weiler an der Schwarzach beschränkt war.
Am südlichen Ortsausgang verlief die Regensburger Straße damals direkt am Gasthof “Schwarzer Adler“ vorbei und dann in einem Bogen nach links über die alte Schwarzachbrücke (Bild 2).

1934 wurden die gelben Schilder mit Straßennummern eingeführt. Die heutige Bundesstraße B8 hieß dann bis 1948 Reichsstraße R8. 1935 wurde die R8 ertüchtigt und mit einer Teerdecke versehen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde die Ortsdurchfahrt im südlichen Teil begradigt. Dazu mussten auf der Ostseite Gebäude entfernt und die Anhöhe teilweise abgetragen werden. Das alte Deml-Bauernhaus des “Gütleins auf dem Berg“, musste weichen; es wurde in versetzter Lage neu errichtet.
Die neu gebaute Steinbrücke der B8 wurde Ende des Krieges 1945 gesprengt und erst 1951-53 wieder aufgebaut.
Der zunehmende Verkehr und der notwendige Ausbau der Infrastruktur (Wasserleitung, Kanalisation), erforderten in den 60iger Jahren eine Umgestaltung der B8 in Ochenbruck. Die Straße wurde verbreitert und es wurden Parkbuchten und Gehsteige angelegt. Die zu mächtig gewordenen Chaussee-Bäume mussten nach und nach gefällt werden.
Die heutige Form, mit Verkehrsinseln, Übergängen und modernen Ampelanlagen, entstand dann in den Jahren 1988 bis 1991.
Abschließend können wir feststellen:
Der Verkehr über die Ortsdurchfahrt hat sich in den zurückliegenden Jahrhunderten positiv auf die Dorfentwicklung ausgewirkt. Gasthöfe, Handwerksbetriebe und Läden siedelten sich an und bildeten einen belebten Ortskern. Der Trend der letzten Jahrzehnte zu Großmärkten und Gewebegebieten, und der Ausbau der Ortsdurchfahrt zu einer leistungsfähigen B8 Durchgangsstraße haben das Ortsbild stark verändert. Der enorme Zuwachs des Verkehrs und die damit verbundene Umweltbelastung sind nun auch zu einem Ärgernis für die Anwohner geworden.
Quellen:
[1] Dr. F. Schnelbögel: Historische Beiträge zu “975 Jahre Schwarzenbruck“
[2] R. Endres: Verzeichnis der Geleitstraßen des Burggrafen von Nbg., Jahrbuch für Fränkische Landesforschung,
23. Band, 1963
[3] W. Wüst: Chausseen in Franken, Altfränkische Bilder, 2014, S. 22 – 24
[4] Bilder: Archiv der Gemeinde Schwarzenbruck

 


Bild 1: Chaussee (B8) in Ochenbruck um 1910 [4]

Bild 2: Alter Verlauf der B8-Ortsduchfahrt[4]